Städtische Spiel- und Festhaus in Worms
Druckgrafiken um 1890
Lutherfestspiele 1883 im Wormser Theater
Historische Aufnahmen aus dem Wormser Stadtarchiv.
Das Städtische Spiel- und Festhaus in Worms wurde 1889 eröffnet und war ein Theater- und Veranstaltungsgebäude. Es entstand auf Initiative von Friedrich Wilhelm Schoen, einem theaterbegeisterten Großindustriellen, dem Schriftsteller Hans Herrig und dem Architekten Otto March. Das Ziel war, möglichst vielen Menschen den Theaterbesuch zu ermöglichen, weshalb die Eintrittspreise niedrig gehalten wurden. Das Gebäude wurde im neuromanischen Stil errichtet und hatte einen kreisförmigen Zuschauerraum, der von einer Vorderbühne durchdrungen wurde.
Das Volkstheater-Konzept der Initiatoren erwies sich in der Praxis als unpraktisch, und die Vorderbühne wurde 1906 aufgegeben. Nach einem Brand im Jahr 1932 wurde das Theater wiederaufgebaut, erlitt jedoch im Zweiten Weltkrieg schwere Schäden. Der Zuschauerraum brannte vollständig aus, und große Teile der Außenwand stürzten ein.
Link-Tipp:
Nach dem Krieg wurde der Theatersaal 1966 in modernen Formen wiedererrichtet, während die Nebengebäude für den Bau des Kultur- und Tagungszentrums "Das Wormser" abgebrochen wurden. Der denkmalgeschützte Theatersaal wurde in das neue Zentrum integriert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der weitgehend erhaltene Festsaal des Städtischen Spiel- und Festhauses als vorübergehende Spielstätte genutzt, bis das eigene Ensemble 1954 aufgelöst wurde. Der Festsaaltrakt wurde jedoch später für den Bau des Mozartsaals abgerissen.
Kurz nach der Währungsreform begann die Diskussion über ein neues Theater, und verschiedene Optionen wurden in Betracht gezogen. Ein Architekturwettbewerb wurde ausgeschrieben, aber keiner der Entwürfe wurde als umsetzbar erachtet. Erst 1960 sicherte der Landtag von Rheinland-Pfalz einen Zuschuss zu, und 1961 stellte auch die Stadt Geld für den Wiederaufbau bereit. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 1961.
Der Wiederaufbau des Theaters folgte einem Vorentwurf des Architekten-Büros Peter Höbel und Dipl. Ing. H. C. Brinkmann. Die Sitzplatzzahl wurde auf etwa 800 reduziert, und der Innenraum erhielt die Form eines geschlossenen Zylinders. Das Foyer wurde ringförmig um den Baukörper angelegt und bestand größtenteils aus Glasflächen.
Das Theater wurde am 6. November 1966 mit einer Aufführung von Mozarts "Don Giovanni" eingeweiht. Während der Renovierung wurde auch ein beeindruckender 90 m2 großer Gobelin im Foyer enthüllt, der Szenen aus der Nibelungensage zeigt und durch Spenden des "Wiederaufbauwerk e.V." finanziert wurde.
Das Theatergebäude ist ein geschütztes Kulturdenkmal gemäß dem Denkmalschutzgesetz des Landes Rheinland-Pfalz.
Der Nibelungenwandteppich in Worms, der zur Eröffnung des Spiel- und Festhauses im Jahr 1966 entstand, ist ein monumentales Kunstwerk, das die Bedeutung des Nibelungenthemas für die Stadt Worms unterstreicht. Hier sind die wichtigsten Details zu diesem bedeutenden Wandteppich:
Merkmale des Teppichs:
Maße: Der Teppich ist 6,25 Meter hoch und 15,35 Meter lang, was eine Gesamtfläche von 90 Quadratmetern ergibt.
Material: Der Teppich wurde aus Wolle geknüpft und stellt ein herausragendes Beispiel der Teppichkunst des 20. Jahrhunderts dar.
Gestaltung: Der Entwurf stammt von Professor Hermann Kaspar (19. April 1904 in Regensburg; † 2. August 1986 in Lindau), einem bekannten Maler und Entwurfszeichner für Textilien, Wandgemälde und Mosaike.
Ausführung: Angefertigt wurde der Teppich in der Bildteppichweberei Edith Müller-Ortloff in Meersburg.
Reinigung: Im Zuge der Sanierung des Wormser Theaters wurde der Teppich von einer belgischen Spezialfirma gereinigt, wobei die Kosten hierfür 60.000 Euro betrugen.
Darstellung und Symbolik: Der Teppich zeigt Schlüsselszenen aus dem Nibelungenlied**, die durch den Schicksalsfaden der drei übergroßen Nornen miteinander verbunden sind.
Die Nornen, mythologische Schicksalsgöttinnen aus der skandinavischen Edda, symbolisieren die Unabwendbarkeit des Geschehens. Sie sind ein zentrales Motiv im Teppich:
Erste Norne: Sie spinnt den Schicksalsfaden.
Zweite Norne: Sie leitet den Faden weiter.
Dritte Norne: Sie schneidet den Faden ab.
Diese Schicksalsdarstellung verleiht den dargestellten Szenen eine besondere Tiefe und symbolisiert die Unvermeidbarkeit der Tragödie, die sich im Nibelungenlied entfaltet.
Historische Bedeutung:
Der Teppich wurde für 90.000 DM angeschafft, was den hohen Wert und die Bedeutung des Kunstwerks für die Stadt unterstreicht. Er ist nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine kulturelle Verbindung zwischen der Stadt Worms und der Nibelungensage.
Der Nibelungenwandteppich ist ein zentrales Element, das die kulturelle und literarische Geschichte der Stadt Worms würdigt und sichtbar macht.
Sammeln für das neue Festhaus
Werbestempel der Stadt Worms zur Eröffnungswoche 1966
Ein großer Name auf der Wormser Bühne
Nach der Wiedereröffnung des Wormser Theaters 1966 gastierten zahlreiche bekannte Künstler in der Stadt. Zu ihnen gehörten Mario Adorf, Hildegard Knef, Antje Weisgerber, Hilde Krahl, Heidelinde Weis, Horst Buchholz, O. W. Fischer, Curd Jürgens, Zarah Leander und Joachim Fuchsberger.
Für die Mitarbeiter der Verwaltung gehörte es zum guten Ton, die prominenten Gäste mit einem Blumenstrauß zu begrüßen. Die Geste war freundlich gemeint und sollte den Künstlern zeigen, dass sie in Worms willkommen waren.
Doch nicht jeder Gast betrachtete die Blumen mit derselben Begeisterung. Ein Dirigent gab dem Geschenk einmal einen ziemlich respektlosen Namen: Er nannte es „Triumphgemüse“. Damit war der Blumenstrauß zwar nicht gerade geadelt, aber um eine humorvolle Bezeichnung reicher.
Ein Theaterabend mit Folgen
Mit der Oper Don Giovanni von Wolfgang Amadeus Mozart begann am 6. November 1966 das Programm im neu erbauten Wormser Spiel- und Festhaus. Die Wormser Zeitung bezeichnete die Aufführung als „Glanzvolle Feuertaufe“.
Doch auf den festlichen Auftakt folgte der Theateralltag: wechselnde Inszenierungen, unterschiedliche Publikumsreaktionen und Kritiken, die nicht immer nur Lob verteilten.
Wormser Zeitung 14.12.1966: „Mit der Schuld leben“
Theaterkritik zu Arthur Millers Stück Nach dem Sündenfall, das in Worms von William Dieterle inszeniert wurde.
Der Kritiker erklärt, dass das Stück stark von Millers persönlichen Erlebnissen und seiner Ehe mit Marilyn Monroe beeinflusst ist. Deshalb sei es schwierig, die Handlung unabhängig von den damaligen Klatschgeschichten über das Paar zu beurteilen. Außerdem habe Miller möglicherweise noch zu wenig Abstand zu seinen eigenen Erfahrungen gehabt, um sie klar und überzeugend auf der Bühne darzustellen.
Die Inszenierung in Worms wird dagegen sehr gelobt. Die Gespräche, Monologe und Rückblenden seien gut aufeinander abgestimmt und würden die Zuschauer zunehmend fesseln.
Besonders positiv bewertet der Kritiker die schauspielerischen Leistungen von Charles Regnier als Quentin und Sonja Ziemann. Regnier stelle die inneren Konflikte und das Gewissen seiner Figur überzeugend dar. Ziemann beeindrucke durch ihre Wandlungsfähigkeit und ihre ausdrucksstarke Darstellung. Auch die übrigen Schauspieler überzeugten mit ihren Rollen.
Das Publikum reagierte mit großem Applaus. Ein Zuschauer brachte die Wirkung des Stücks auf den Punkt: Die Menschen in Worms müssten wieder lernen, besser zuzuhören.
Kernaussage: Obwohl das Stück sehr persönliche Erfahrungen des Autors verarbeitet und nicht in jeder Hinsicht vollkommen gelungen ist, überzeugt die Wormser Inszenierung durch ihre Regie und die starken schauspielerischen Leistungen. Sie regt dazu an, über Schuld, Gewissen und menschliche Beziehungen nachzudenken.
Wormser Zeitung 22/23.01.1972 Schurkisches liegt obenauf
Martin Held und Walter Bluhm gastierten in Worms mit Arkady Leokums Stück „Freunde und Feinde“. Die beiden Einakter dienten vor allem als Bühne für die außergewöhnliche Schauspielkunst der Darsteller. Im ersten Teil überzeugte Martin Held als gedemütigter Hauslehrer, im zweiten als herrischer und selbstgefälliger Gast. Walter Bluhm glänzte als scheinbar unterlegener Kellner, der seiner Figur stille Stärke verlieh. Die Kritik lobte besonders das präzise Zusammenspiel beider Schauspieler und wertete die Aufführung als großes darstellerisches Kabinettstück.
Ein-Satz-Zusammenfassung:
Martin Held und Walter Bluhm begeisterten in „Freunde und Feinde“ durch meisterhafte schauspielerische Leistungen, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurden.
Wormser Zeitung 10.02.1972: 08. - 11.02.1972 „Hair“ in Worms: Zwischen Nostalgie und aktueller Gesellschaftskritik
Das Schweizer Ensemble von Hair gastierte im Wormser Festhaus und zeigte, dass das berühmte Hippie-Musical auch Jahre nach seiner Uraufführung nichts von seiner gesellschaftlichen Sprengkraft verloren hat.
Die Themen Liebe ohne Konventionen, Frieden, Toleranz und gesellschaftliche Freiheit wirken weiterhin aktuell, auch wenn manche Provokationen der damaligen Zeit heute ihren Schockeffekt verloren haben. Elemente wie lange Haare oder Nacktheit, einst Auslöser heftiger Debatten, erscheinen inzwischen nahezu selbstverständlich.
Der Kritiker betont jedoch, dass Hair weit mehr ist als eine romantische Verklärung der Hippie-Bewegung. Das Musical stellt grundlegende gesellschaftliche Strukturen infrage und zeigt zugleich die Grenzen alternativer Lebensentwürfe auf.
Musikalisch überzeugte die Aufführung mit einer starken Band und mehreren herausragenden Solisten. Gleichzeitig erschwerten technische Probleme stellenweise die Verständlichkeit der Texte.
Das Fazit fällt zwiespältig, aber positiv aus: Die Hippie-Ära mag vergangen sein, doch die Fragen nach Frieden, Freiheit, Gleichberechtigung und gesellschaftlichem Wandel bleiben aktuell.
Wormser Zeitung 29. 02.1972: Maria Schell begeistert als „Maria Stuart“
In dieser Gastspielinszenierung von Schillers Maria Stuart steht weniger der politische Konflikt zwischen zwei Königinnen im Mittelpunkt als deren persönlicher und emotionaler Machtkampf. Die Aufführung rückt Leidenschaft, Verletzlichkeit und Rivalität stärker in den Vordergrund als die historische Staatsaktion.
Maria Schell überzeugt als temperamentvolle und vielschichtige Maria Stuart. Sie zeigt eine Frau zwischen Stolz, Verzweiflung und Kampfgeist. Besonders eindrucksvoll sind die starken emotionalen Kontraste ihrer Darstellung.
Dorothea Kaiser gestaltet Elisabeth als kühle, intelligente Strategin, deren Ehrgeiz den politischen Konflikt antreibt. Das Aufeinandertreffen der beiden Frauen wird zum Höhepunkt des Abends.
Regisseur Veit Relin führt das Ensemble sicher durch den Klassiker und sorgt für einen lebendigen, spannenden Ablauf. Zwar wirkt das Finale stellenweise etwas überladen, insgesamt hinterlässt die Inszenierung jedoch einen starken Eindruck.
Der lang anhaltende Applaus des ausverkauften Hauses bestätigte den Erfolg des Gastspiels.
Marika Rökk und das halbe Hähnchen
Als Marika Rökk im Musical Hello Dolly in Worms auftrat, gab es eine Szene, in der sie mit einem halben Hähnchen hantieren musste. Ein Mitarbeiter ihrer Truppe sollte das Hähnchen mit einem Verfolgerscheinwerfer beleuchten. Doch aus ungeklärten Gründen blieb das Licht aus.
Marika Rökk versuchte, den Techniker mit immer wilderen Armbewegungen auf das Hähnchen aufmerksam zu machen. Dazu kamen ihre bösen Blicke. Das Wormser Publikum erlebte eine denkwürdige Szene, in der das Hähnchen bis zum Schluss unbeleuchtet blieb.
Wormser Zeitung 11.11.1974: Rudolf Schock begeistert im „Dreimäderlhaus“
Rudolf Schock war der unbestrittene Star des Abends. Als Franz Schubert überzeugte der gefeierte Tenor mit seiner Stimme und Bühnenpräsenz und wurde vom Publikum begeistert gefeiert.
Die Operette Das Dreimäderlhaus mag in ihrer Handlung stellenweise sentimental wirken, bietet jedoch einen stimmungsvollen Rahmen für Schuberts Musik. Regisseur Helmut Hein setzte bewusst auf die Ausstrahlung Schocks und ließ den übrigen Darstellern viel Raum für eigene Akzente.
Neben dem Titelstar konnten auch mehrere Ensemblemitglieder überzeugen. Besonders die weiblichen Hauptrollen und einige markante Nebenfiguren verliehen der Aufführung zusätzlichen Charme.
Trotz kleiner inszenatorischer Schwächen überwogen die musikalischen Qualitäten, die liebevolle Ausstattung und die Wiener Operettenatmosphäre. Das ausverkaufte Haus dankte den Mitwirkenden mit großem Applaus.
Wormser Zeitung 18.11.1974: Gelungener Brecht-Abend mit starken Darstellern
Mit Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matti präsentierte das Theater Baden-Baden eine ausgewogene und unterhaltsame Inszenierung. Die Aufführung verband Humor, Poesie und soziale Kritik, ohne in politische Vereinfachungen zu verfallen.
Eberhard Wechselberg überzeugte als vielschichtiger Puntila, der zwischen Großzügigkeit, Selbstüberschätzung und Machtbewusstsein schwankt. Peter Uwe Arndt stellte Matti als klugen und selbstbewussten Gegenpart dar, der die Abhängigkeit vom Gutsherrn längst hinterfragt hat.
Auch Susanne Riemann setzte als Eva überzeugende Akzente. Die übrigen Ensemblemitglieder fügten sich harmonisch in das Gesamtbild ein.
Die Inszenierung riss das Publikum zwar nicht zu Begeisterungsstürmen hin, bot aber einen sorgfältig gestalteten und inhaltlich anregenden Theaterabend.
Freddy Quinn – ein falsches Vorurteil
Freddy Quinn hatte sich vor seinem Auftritt in seiner Garderobe eingeschlossen. Eine Mitarbeiterin der Verwaltung wollte etwas mit ihm besprechen und vermutete zunächst, dass er Ruhe zur Vorbereitung benötigte oder sich wegen seiner Bekanntheit abschottete.
Schließlich erfuhr sie, dass Freddy Quinn beim Pförtner ein Rezept hinterlegt hatte. Die Mitarbeiterin besorgte das Medikament und brachte es ihm. Die Tür wurde kurz geöffnet, das Medikament entgegengenommen und gleich wieder geschlossen. Da sie die Auslage bezahlt hatte, fragte sie sich, ob der Sänger tatsächlich so arrogant war, wie es zunächst schien.
Nach der Vorstellung erschien Freddy Quinn jedoch gut gelaunt und ausgesprochen freundlich im Büro. Er erkundigte sich nach seinen Schulden bei der Mitarbeiterin, bezahlte umgehend und hinterließ eine glückliche Verwaltungsangestellte. Sie hatte erfahren, dass erste Eindrücke täuschen können.
Heinz Erhardt und der Knall
Heinz Erhardt gastierte in Worms mit seinem Stück Das hat man nun davon. Noch bevor sich der Vorhang vollständig geöffnet hatte, explodierte ein Scheinwerfer mit einem lauten Knall.
Erhardt ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Er trat vor das Publikum und kommentierte den ungewöhnlichen Auftakt mit den Worten:
„Das lob ich mir – einen solchen Empfang in Worms!“
Damit verwandelte er den technischen Zwischenfall in einen humorvollen Moment, der dem Publikum in Erinnerung blieb.
Ein Bravo, das lange auf sich warten ließ
Im Oktober 1978 begann die neue Saison mit einem musikalischen Höhepunkt. Der Pianist Christoph Eschenbach trat gemeinsam mit dem Staatsorchester der Pfälzischen Philharmonie auf.
Doch die Begeisterung des Wormser Publikums schien sich zunächst in Grenzen zu halten. Die Zeitung wählte eine bemerkenswerte Überschrift: „Bravo ist in Worms lange nicht gerufen worden“.
Ob das Publikum besonders kritisch war oder einfach zurückhaltend applaudierte, lässt sich aus der Vorlage nicht eindeutig entnehmen. Jedenfalls zeigt die Episode, dass selbst ein hochkarätiger Konzertabend nicht automatisch in stürmischen Beifall mündet.
Wormser Zeitung 01.10.1984 „Humor kann man nicht lernen …“
„Dr. med. Hiob Prätorius“ mit C. H. Schroth in der Hauptrolle
Carl-Heinz Schroth führte selbst Regie und spielte zugleich die Hauptrolle. Dabei gelang es ihm hervorragend, den Humor und die Persönlichkeit von Curt Goetz auf die Bühne zu bringen.
Als Professor Hiob Prätorius überzeugte Schroth mit weltmännischem Charme, eleganter Ausdrucksweise und feiner Ironie, ohne jemals boshaft zu wirken. Besonders beeindruckend waren seine Vielseitigkeit und seine Fähigkeit, zwischen den verschiedenen Szenen und Stimmungen zu wechseln.
Das Stück verbindet auf unterhaltsame Weise Kriminalgeschichte, geistreiche Dialoge und Charakterkomödie. Auch die übrigen Darsteller überzeugten: Georg Lehn mit seiner humorvoll-unheimlichen Figur Shunderson und Walter Gross als liebenswürdig-zerstreuter Nack.
Besonders gelungen war Schroths Darstellung in der berühmten Dirigentenszene. Mit ausdrucksstarker Gestik, feinem Humor und gezielter Übertreibung gelang ihm eine großartige Parodie.
Dabei stellte Schroth nie sich selbst, sondern das gesamte Ensemble in den Mittelpunkt. Er war der sympathische Mittelpunkt einer insgesamt überzeugenden Aufführung.
Das ausverkaufte Haus dankte den Darstellern mit reichlich Beifall. Die Begegnung mit Curt Goetz zeigte einmal mehr, wie geistreich und anspruchsvoll gute Unterhaltung sein kann – ganz im Gegensatz zu mancher oberflächlichen Boulevardunterhaltung auf Bühne und im Fernsehen.
Wormser Zeitung 13.02.1987: Gefahren heutiger Progressivität
Ein umweltbewusstes „Kom(m)ödchen“ begeisterte im Festhaus
Auch ohne die bekannte Lore Lorentz und den inzwischen leider nicht mehr besetzten Typ von Hanns Dieter Hüsch zeigen die Düsseldorfer, dass politisches Kabarett nichts von seiner Aktualität verloren hat.
Mit bissigem Humor beleuchten sie die gesellschaftlichen Krisen unserer Zeit: Umweltzerstörung, politische Fehlentwicklungen und menschliche Verantwortungslosigkeit. Dabei stellen sie immer wieder die Frage, welchen Anteil wir selbst an diesen Problemen haben.
Im Mittelpunkt steht weniger die Tagespolitik als vielmehr die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung. Manche Pointen sind treffend und regen zum Nachdenken an, andere gehen in ihrer Übertreibung etwas zu weit.
Das Ensemble mit Jutta Hahn, Hugo Egon Balder, Geriet Schieske und Harald Schmidt präsentiert gemeinsam mit einer hervorragenden Jazz-Combo eine abwechslungsreiche Mischung aus Kabarett und Musik. Die Themen reichen von Umweltverschmutzung und Waldsterben über Gewerkschafts- und Bankenskandale bis hin zu gesellschaftlichen und politischen Missständen.
Besonders gelungen sind drei Szenen: die absurde Darstellung eines Stollens, der als Folge der Entspannung zwischen Ost und West nach Moskau gelangt, eine satirische Werbung für die Deutsche Bank und die humorvollen Reaktionen von Autofahrern im Stau.
Die kurzen, schnell wechselnden Sprachszenen sind hervorragend aufeinander abgestimmt. Inhaltlich wie schauspielerisch bietet das Ensemble eine überzeugende Kabarettvorstellung.
Insgesamt war es ein Kabarettabend auf hohem Niveau, wie man ihn in Worms nur selten erlebt. Der begeisterte Applaus des Publikums war mehr als verdient.
Wormser Zeitung 11.05.1993: Fast eine "One-Woman-Show"
Hauptdarstellerin: Heidi Kabel brilliert im Stück „Oh diese Eltern“ und liefert fast eine One-Woman-Show ab. Die spanische Komödie von Alfonso Paso wurde von Regisseur Michael Koch ins Deutsche übertragen, verliert dabei jedoch etwas an Biss, da ironische Anspielungen auf die Franco-Diktatur gestrichen wurden.
Heidi Kabel rettet schwache Momente mit starker Mimik und schauspielerischer Routine. Heinz Behrens überzeugt als nervöser Witwer, während andere Rollen (wie Peter Wohlert und Heidi Mahler) eher blass und lustlos wirken.
Fazit: Dank Heidi Kabels starker Präsenz bekam das Publikum im gut besuchten Haus genau das, was es wollte.
Wormser Zeitung 21.08.1995: Heute wie vor 500 Jahren ...
Die höchsten Repräsentanten des Staates zu Gast in Worms
Vor 500 Jahren war es Kaiser Maximilian, der Worms besuchte. Gestern begrüßte die Stadt am Rhein mit Bundespräsident Roman Herzog erneut einen der höchsten Repräsentanten des Staates.
Rund 7.000 Menschen lebten 1495 innerhalb der Stadtmauern, heute sind es etwa 80.000. Entsprechend groß war das Interesse am Besuch des Bundespräsidenten: Überall wurde er herzlich empfangen, nahm sich Zeit für Gespräche und erwiderte freundlich die Grüße der Bürger.
Ein Höhepunkt des Festakts war der Auftritt der Jugendmusikschule unter der Leitung von Reinhard Volz. Mit Beethovens Erster Symphonie überzeugten die jungen Musiker und erhielten großen Applaus.
Das Bühnenbild im Festhaus zeigte Worms zur Zeit des Reichstags von 1495. Oberbürgermeister Gernot Fischer dankte dem Bundespräsidenten dafür, dass er eigens seinen Urlaub für die Teilnahme am Festakt unterbrochen hatte. Zugleich zog er Parallelen zwischen damals und heute: „Wir haben damals dazugehört, und wir gehören auch heute dazu.“
Auch Roman Herzog erinnerte daran, dass die Menschen nach den politischen Beratungen von 1495 sicher gemeinsam gefeiert hätten. In dieser Hinsicht, so seine Botschaft, habe sich wenig verändert.
Das Fazit des Tages: Worms mag kleiner sein als die Metropolen, die Bundespräsidenten gewöhnlich besuchen. Doch die Offenheit, Herzlichkeit und Verbundenheit der Bürger mit ihrer Stadt hinterließen einen bleibenden Eindruck.
Stars 1966 - 2007 Auszüge aus den Gästebüchern des Wormser Theaters
Der schlichte und zurückhaltende Theaterbau der deutschen Nachkriegsmoderne wurde später als "herausragendes Beispiel zeitgenössischer Architektur" unter Denkmalschutz gestellt, ebenso wie die Blutbuche, die anlässlich der Wiedereröffnung gepflanzt wurde.
In den späten 1990er Jahren entstand die Debatte über einen Neubau, da ein großer Raum und modernisierte Ausstattung gefordert wurden. Im Mai 2004 wurde schließlich die Entscheidung für eine Kombination aus Sanierung des denkmalgeschützten Spiel- und Festhauses und dem Neubau eines Kultur- und Tagungszentrums getroffen.
Das renommierte Hamburger Architekturbüro gmp (Gerkan, Marg und Partner) erhielt den Auftrag für das Projekt. Die Grundsteinlegung fand fast 45 Jahre nach Beginn des letzten Umbaus am 22. Oktober 2008 statt. Die geschätzten Kosten für Um- und Neubau betrugen diesmal 45 Millionen €.
Schließlich, nach 121 Jahren, 2 Monaten und 9 Tagen seit der ersten Eröffnung, wurde DAS WORMSER am 29. Januar 2011 zum vierten Mal eröffnet.
05.11.2015 Treffen der Superstars im Wormser Theater
11. November 2016
50 Jahre ist es her, dass das Wormser Theater im Jahre 1966 seine Wiedereröffnung feierte. Seit dem ist viel passiert. Die gravierendste Veränderung dürfte wohl die Erweiterung zum Kultur- und Tagungszentrum 2008 gewesen sein und die damit verbundene Namensänderung in „Das Wormser“. Also bestand gleich mehrfach Grund zum Feiern.
Auszug aus meiner Autogrammsammlung "Stars im Wormser Theater"
Impressionen zum Wormser
PDF zur Ausstellung "125 Jahre Wormser Festhaus" 2014
Drohnenflug im Wormser