Dr. Martin Luther in der Philatelie
Briefmarken zum Thema "Martin Luther"

Wormser Geschichte mit Briefmarken erzählt

20. Jahrhundert


Im Jahr 1900 begann eine spannende Phase für Worms, als die Stadt sowohl durch Infrastrukturprojekte als auch durch kulturelle und wirtschaftliche Entwicklungen geprägt wurde. Die Bevölkerung überschritt die Marke von 40.000 Einwohnern, von denen sich 63,6 % als evangelisch, 32,4 % als katholisch und 3,1 % als israelitisch bekannten, während 0,6 % anderen Glaubensgemeinschaften angehörten.


Im März desselben Jahres wurde die erste feste Rheinbrücke, die Ernst-Ludwig-Brücke, feierlich eingeweiht. Der Großherzog Ernst Ludwig und seine Familie sowie Regierungsvertreter waren anwesend, als die Brücke ihren Betrieb aufnahm und die Stadt von den Unannehmlichkeiten durch Hochwasser und Eisgang befreite.


Auch die Eisenbahnbrücke wurde am 30. November 1900 in Betrieb genommen.


Ende des 19. Jahrhunderts platzte der Wormser Bahnhof aufgrund des steigenden Verkehrs aus allen Nähten. 1890 forderte die Stadt eine umfassende Modernisierung, da das alte Empfangsgebäude zu klein und veraltet war. Die Hessische Ludwigsbahn (HLB) zögerte zunächst mit Investitionen, doch mit dem Bau der Rheinbrücke Worms, die den Verkehr vom Rosengarten-Bahnhof direkt in den Hauptbahnhof lenkte, wurde ein Neubau unvermeidlich. 5,99 Millionen Mark wurden für den Umbau bereitgestellt. Nach hitzigen Diskussionen entschied man sich, das neue Empfangsgebäude am bisherigen Standort zu errichten, was 1895 schließlich umgesetzt wurde.



Die Nibelungenschule wurde am 19. April 1900 eröffnet, und am 16. Mai begrüßten die Wormser mit Booten die Torpedoboots-Division am Rheinufer, wo Tausende von Menschen die Landung erwarteten.


Im folgenden Jahr, am 9. November 1901, wurde das Elektrizitätswerk in der Klosterstraße eingeweiht, ausgestattet mit zwei Verbunddampfmaschinen und einem umfangreichen Kabelnetz.

Es war eine neblige Nacht, als in der Klosterstraße ein schwaches Leuchten aus dem Backsteinbau stieg. Der Strom floss – zum ersten Mal. Ein dumpfes Brummen lag in der Luft, die Turbinen des neuen Elektrizitätswerks nahmen Fahrt auf. Der Ingenieur Heinrich Bauer blickte auf die glimmenden Anzeigen, als sei es Magie. Strom – nicht nur Licht, sondern Zukunft.

Doch die neue Energie weckte nicht nur Hoffnungen. In den Dörfern rund um Worms flüsterte man von „Geisterlicht“, von Teufelswerk gar. Nur einer wusste: Wenn man diese Kraft richtig lenkte, konnte sie alles verändern.
1909: Heinrichs Vision wurde größer. Gemeinsam mit mutigen Bürgermeistern gründete er den Rheinhessischen Elektrizitäts-Zweckverband. Sie wollten mehr als ein Werk – sie wollten ein Netz. Ein Versprechen.
1911: Die Gründung der Elektrizitätswerk Rheinhessen AG war wie der erste Blitz in dunkler Nacht. In Worms leuchteten erste Glühbirnen, doch es war das südliche Ried, das für Heinrich zur Bewährungsprobe wurde. Die Landwirte lachten erst. Doch als 1917 der erste elektrische Dreschwagen über ein Feld bei Gernsheim ratterte, verstummte das Spottlachen.

1928: „Ein Herd, der ohne Feuer kocht?“ Die Schweizer Firma Salvis brachte den elektrischen Herd nach Worms. Heinrich – nun alt, aber unbeirrbar – hielt die erste Herd-Vorführung. Frauen, die staunten. Kinder, die lachten. Ein Jahr später war der 1.000. Herd angeschlossen – und das elektrische Zeitalter in den Küchen begann.
1931: Worms leuchtete. Die erste elektrische Straßenbeleuchtung brannte am Obermarkt. Es war, als hätte man der Stadt die Sterne vom Himmel geholt.
Doch der Schatten kam.
1945: Bomben fielen, die Rheinbrücken wurden gesprengt, die Kraftwerke in Osthofen und Worms verstummten. Die Stadt lag 29 Tage im Dunkeln. In dieser Finsternis wurde Strom nicht nur zu Technik – sondern zu Hoffnung. Kerzen flackerten, aber alle warteten auf das erste Summen, das die Rückkehr der Energie ankündigte.
1949: Es war zurück – stärker denn je. Die alten Kraftwerke hatten ihren Dienst getan. Der Strom kam nun über Brücken und Kabel vom Großkraftwerk Mannheim. Heinrich Bauer war tot. Aber seine Idee lebte – in jedem leuchtenden Fenster.
1961, zum 50. Jubiläum, eröffnete EWR ein neues Verwaltungsgebäude. Im Lutherring wurde geplant, gedacht, entwickelt. Das Netz wuchs. Mit den Jahren kamen Windräder, Erdgas, Sonnenenergie, ja sogar E-Autos. Die Welt wurde moderner, schneller – elektrischer.
1998: EWR bot den Menschen die Wahl – Naturstrom, Tarife, Freiheit. Strom wurde grün. Strom wurde demokratisch.
2002: Aus Strom wurde mehr. Gas. Wasser. Mobilität. Sponsoring. Kultur. EWR wurde ein Teil der Region, nicht nur ein Versorger, sondern ein Möglichmacher. Hauptsponsor der Nibelungen-Festspiele, Initiator von Zukunftsforen.
Heute. Die Turbinen der Anfangszeit sind längst still. Aber in jedem Windrad, jeder Ladestation, jedem leuchtenden Fenster in Worms und Rheinhessen lebt ihr Erbe.
Und wenn du nachts durch die beleuchtete Klosterstraße gehst und der Wind aus dem alten Gemäuer einen Hauch Technikgeschichte trägt – dann spürst du sie vielleicht: die Kraft, die alles veränderte.
EWR – Mit Energie auf neuen Wegen. Seit 1911.



Einen Monat zuvor, am 26. Januar 1901, öffnete die Volksbücherei und Lesehalle in der Domdechaneikasere ihre Türen, um jedem Bürger Zugang zu Bildung zu ermöglichen.

1902 wurde der neu angelegte städtische Friedhof auf der Hochheimer Höhe eröffnet. 



Ein Jahr später beschloss die Stadtverordnetenversammlung, das Erholungsgebiet „Wäldchen“ zu einem parkähnlichen Gebiet auszubauen, und der Lederfabrikant Cornelius Wilhelm Freiherr von Heyl gründete das Diakonissenheim mit der Privatklinik „Sophienhaus“ in der Paulusstraße.




1904 führte Konrad Fischer, ein Redakteur des Wormser Tageblatts, das erste „Rosenfest“ ein, inspiriert von einem Lied über den Rosengarten in Worms. Auch das Küchler-Denkmal wurde am 26. November 1904 enthüllt, um an den ehemaligen Oberbürgermeister Wilhelm Küchler zu erinnern.



Im Oktober 1905 wurde das städtische Grundwasserwerk im Bürstädter Wald eingeweiht, und die Trennung des Humanistischen Gymnasiums von der Oberrealschule wurde beschlossen. Im Dezember wurde das neue großherzogliche Gymnasium am Barbarossaplatz eröffnet.





Das 1906 errichtete Jahn-Denkmal befindet sich auf dem Jahnplatz an der Ludwigstraße gegenüber der Jahn-Turnhalle, die auch nach ihm benannt wurde. Es handelt sich bei dem von Ernst Müller-Braunschweig entworfenen Denkmal um eine steinerne Büste, welche auf einem Podest aus rotem Granit steht.
Das Denkmal steht dort seit seiner Errichtung in unveränderter Form.




Das von Johann Hirt geschaffene Hagenstandbild wurde im Stadtpark aufgestellt, und die Straßenbahn, die die Stadtteile miteinander verband, nahm ihren Betrieb auf. Im Februar 1907 genehmigte der Stadtrat den Durchbruch der Stadtmauer für die neue Karolingerstraße, das Raschitor.


1908 überquerte Graf Zeppelin mit seinem Luftschiff Worms, und am 7. August wurde er zum Ehrenbürger ernannt. 




Der Tag, an dem Worms den Atem anhielt
Am Morgen des 6. Dezember 1908 lag ein eigenartiges Schweigen über Worms. Die Kälte kroch aus dem Rhein herauf, und über den Dächern der Stadt schimmerte ein blasser Winterhimmel. Auf dem freien Platz sammelten sich Menschen, enger als sonst, mit geröteten Wangen und neugierigen Blicken nach oben gerichtet. Man flüsterte, zeigte mit dem Finger, wartete.
Dann lag er da: der Ballon, prall gefüllt, fast lebendig, als atme er bereits die Stadt unter sich ein.
Fritz Griesbach und Carl Hasermehl waren von weit her gekommen, aus Strasbourg, Männer mit dem Geruch von Gas, Seil und Abenteuer an den Händen. Julius Ebel und Louis Fühl, Söhne dieser Stadt, standen ihnen zur Seite. Vier Namen, vier Leben, vereint für einen Moment, der größer war als sie selbst.
Als sich die Leinen lösten, hielt Worms den Atem an. Der Ballon stieg langsam, feierlich, und glitt über Türme, Gassen und den Dom hinweg. Unten blieben Hüte in der Luft, Kinder auf Zehenspitzen, ein Murmeln, das sich in Staunen verwandelte. Für wenige Minuten schien es, als könne der Mensch wirklich fliegen.
Später, als der Himmel wieder leer war und der Alltag zurückkehrte, blieb eine Postkarte zurück. Bedrucktes Papier, Porträts, ein Ballon über der Stadt. Ein Erinnerungsstück — nicht nur an eine Fahrt, sondern an den Augenblick, in dem Worms glaubte, die Zukunft berührt zu haben.
Und jedes Mal, wenn man die Karte betrachtete, schien der Ballon erneut aufzusteigen, lautlos, über eine Stadt, die nie vergaß, wie es war, den Himmel so nah zu sehen.


Im Juni 1910 wurde bei den Restaurierungsarbeiten am Wormser Dom ein Kreuz auf der erneuerten Ostkuppel aufgesetzt. Das Cornelianum, von Professor Theodor Fischer in Auftrag gegeben, ein Repräsentationsbau mit Festsaal und Nibelungenbildern, wurde fertiggestellt, (als Stiftung des Freiherrn Cornelius Heyl, zu Herrysheim)  doch das Gebäude wurde nach 1945 nicht wieder aufgebaut. 


Im August 1910 nahm das Erholungsheim auf dem Hohen Darsberg seinen Betrieb auf.

Dr. Ernst Alfred Oscar Wevers 1875 - 1932 , Stadtgeschichte Worms, Dasberg, Worms Kindererholungsheim Worms, Schullandheim

Unter Ernst Alfred Oskar Wevers Vorsitz wurde von dem 1888/1889 gegründeten „Wormser Verein zur Gesundheitspflege armer und kränklicher Schulkinder“ im Jahr 1910 das Schullandheim „Hoher Darsberg“ gegründet. Ab diesem Zeitpunkt fanden etwa 60 Schulkinder jedes Jahr dort eine Möglichkeit, sich zu erholen und wieder gesund zu werden. Getragen wurde das Schullandheim von Wormser Unternehmern und von finanziellen Zuwendungen seitens der Stadt Worms

Hermann Rauch jr. war in Worms Betreiber einer renommierten Lehrmittelfabrik, die sich insbesondere auf die Herstellung von Schulwandtafeln und weiteren Unterrichtsmaterialien spezialisierte. Die Anfänge der Firma lassen sich bis in die frühen 1900er-Jahre zurückverfolgen; ansässig war sie unter anderem am Plattweg 71 in Worms. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1910 und stand später unter der Leitung von Bruno Lorenzen. Dokumente aus dem Stadtarchiv Worms belegen eine kontinuierliche Geschäftstätigkeit zwischen 1962 und 1967. Historische Werbeanzeigen aus dem Jahr 1927 bezeichnen die Firma als „Lehrmittelfabrik Hermann Rauch jr., Worms“ und zeugen von ihrer Bekanntheit. Während des Zweiten Weltkriegs spielte das Fabrikgebäude auch eine Rolle im Rahmen von Luftschutzmaßnahmen – auf dem Dach war ein Flakgeschütz installiert, das zur Verteidigung diente.


Ein weiteres Highlight des Jahres war die Erweiterung der Wormser Polizei um eine neue Abteilung, die „Rheinwache“, und die Eröffnung der Friedhofskapelledes neu angelegten israelitischen Friedhofs auf der Hochheimer Höhe am 20. November 1911.
So erlebte Worms eine Zeit des Wandels und des Wachstums, die sowohl die Stadt selbst als auch das Leben ihrer Bewohner nachhaltig prägte.

Individual - Mathildenheim Worms 1912, Stadtgeschichte Worms


Im Jahr 1912 wurde das Wöchnerinnenheim „Mathildenheim“ eröffnet, ein symbolisches Bauwerk der Fürsorge und sozialen Verantwortung. Mitten auf dem Liebenauerfeld, direkt neben der Arbeiterwohnsiedlung, fand es Platz und setzte den Startschuss für das sozialpolitische Programm des Freiherrn von Heyl, der sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiterfamilien einsetzte.

Doch die positive Entwicklung wurde bald von einer tragischen Nachricht überschattet.


 

Am 12. Juli 1912 vernichtete ein verheerender Brand die Kunstmühle der Firma Baruch und Schönfeld. Die Flammen fraßen sich durch die Mühle und hinterließen nur noch Ruinen, die von der einst prächtigen Anlage zeugten.


Am 12. November desselben Jahres fand die feierliche Einweihung der Lutherkirche statt, die seit 1910 nordwestlich an die Eleonorenschule angebaut wurde. Die Architektur, die vom renommierten Kirchenbaumeister Friedrich Pützer entworfen wurde, und die kunstvolle Innenausstattung von Künstlern der Darmstädter Künstlerkolonie machten die Kirche zu einem besonderen Ort des Glaubens. Die Orgel, großzügig gespendet von C.W. Freiherr von Heyl und seiner Frau, rundete das feierliche Ereignis ab.


Im Laufe des Jahres 1912 entwarf Stadtbaumeister Georg Metzler einen städtischen Schlachthof im Jugendstil, der neue Maßstäbe in Ausstattung und Funktionalität setzte und die moderne Stadtarchitektur repräsentierte.


Im Juli 1913 wurde das neue Sparkassengebäude an der Moltkeanlage (heute Adenauerring) feierlich eröffnet. Gleichzeitig wurde hier die Städtische Gemäldegalerie eröffnet, die für die nächsten 18 Jahre mit Leihgaben aus Darmstadt ausgestattet war.


Heinrich Metzendorf , stadtgeschichte Worms

Die Landhaussiedlung im Westend, westlich der Alzeyer Straße, entstand nach den Plänen von Heinrich Metzendorf und spiegelte die klaren Formen des Darmstädter Jugendstils wider. Diese neue Siedlung wurde durch die Landhausgesellschaft Bergstraße m.b.H. realisiert.



Im September 1913 landete das Zeppelin-Luftschiff „Viktoria Luise“ auf dem Exerzierplatz rechtsrheinisch und nahm Passagiere an Bord. Dieses Ereignis unterstrich die technologische Fortschrittlichkeit der Zeit.

Dr. Erich Grill, „Wormser Bund zur Pflege der Bildenden Kunst“, Stadtgeschichte worms

Kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, im Jahr 1914, gründete Dr. Erich Grill den „Wormser Bund zur Pflege der Bildenden Kunst“, eine Initiative, die sich der Förderung der Kunst verschrieb.
Die Jahrestagung des Denkmalrates in Hessen fand am 9. März 1914 in Worms statt, bei der die Restaurierungsarbeiten am Wormser Dom im Mittelpunkt der Verhandlungen standen.

Komponist Rudi Stephan, Stadtgeschichte Worms

Am 29. September 1915 wurde die Musikwelt von einem schweren Verlust getroffen: Der Komponist Rudi Stephan fiel im Alter von nur 28 Jahren bei Tarnopol in Galizien. Sein talentierter und vielversprechender Weg wurde durch seinen frühen Tod abrupt beendet. Heute erinnert ein altsprachliches Gymnasium an seinen Namen und seine Werke.


Erster Weltkrieg und Worms
Während des Ersten Weltkriegs (1914–1918) war Worms, wie viele andere Städte im Deutschen Reich, stark von den Folgen des Krieges betroffen, auch wenn die Stadt selbst nie Kriegsschauplatz wurde. Bereits mit der Mobilmachung im August 1914 wurden zahlreiche Männer aus Worms eingezogen und verschiedenen Regimentern zugewiesen, etwa dem Großherzoglich-Hessischen Infanterie-Regiment Nr. 118. In der Stadt selbst existierten Kasernen, Lazarette und militärische Einrichtungen. Zudem wurde in Worms ein Kriegsgefangenenlager eingerichtet, vermutlich im heutigen Stadtteil Hochheim, in dem ausländische Kriegsgefangene wie Franzosen und Russen untergebracht waren.
Mit dem fortschreitenden Krieg veränderte sich auch das Leben in der Stadt drastisch. Die Heimatfront wurde zur zentralen Stütze der Kriegsmaschinerie. Frauen übernahmen in zunehmendem Maße Aufgaben in der Rüstungsproduktion, der Landwirtschaft und in der Pflege. Fabriken wie die Heyl’schen Lederwerke oder die Nibelungenwerkstätten stellten Teile ihrer Produktion auf kriegswichtige Güter um. Der Alltag wurde von wachsender Not geprägt: Lebensmittel wurden knapp, es kam zu Rationierungen, die Menschen waren auf Ersatzstoffe wie Kunsthonig oder Kriegskaffee angewiesen. Vor allem in den letzten Kriegsjahren spitzte sich die Versorgungslage dramatisch zu, was zu Hunger, Unruhen und wachsender Unzufriedenheit führte.
Zahlreiche Lazarette wurden in Worms eingerichtet, etwa im Gebäude des heutigen Eleonoren-Gymnasiums oder im Andreasstift, um die vielen verwundeten Soldaten zu versorgen. Die Pflege wurde dabei oft von kirchlich organisierten Schwestern und Freiwilligen übernommen. Aufrufe zur Zeichnung von Kriegsanleihen waren auch in Worms allgegenwärtig, die Bevölkerung wurde regelmäßig aufgefordert, zur Finanzierung des Krieges beizutragen.
Der Preis des Krieges war hoch. Mehrere Tausend Männer aus Worms fielen an den Fronten. Ihre Namen wurden in Ehrenbüchern verzeichnet und sind heute noch auf Denkmälern zu finden, etwa am Adenauerring oder auf dem Wormser Hauptfriedhof. In Kirchen wurden Gedenktafeln angebracht, die an die Gefallenen erinnern. Auch nach dem Krieg blieb die Erinnerung an die Opfer präsent: In Schulen, Vereinen und kirchlichen Gruppen wurde ihrer gedacht, oft begleitet von patriotischen oder nationalistischen Tönen, wie sie für die Nachkriegszeit typisch waren.
Wer sich heute näher mit der Geschichte Worms’ im Ersten Weltkrieg befassen möchte, findet im Stadtarchiv eine Vielzahl von Dokumenten, Feldpostbriefen, Fotografien und Zeitungsartikeln. Auch das Museum der Stadt Worms im Andreasstift greift das Thema in Sonderausstellungen auf und bietet vertiefende Einblicke in das lokale Geschehen während dieser Zeit.


04.03.1916 - DR Kriegsgefangenenpost Blg. 1.WK Lager Worms 04.03.1916 - DR Kriegsgefangenenpost Blg. 1.WK Lager Worms

Während des Ersten Weltkrieges wurde in Worms ein großes Kriegsgefangenenlager errichtet. Für die dort verstorbenen Gefangenen wurde auf dem Hauptfriedhof Hochheimer Höhe ein eigenes Areal als letzte Ruhestätte angelegt. Insgesamt fanden dort 2084 Kriegsgefangene ihre letzte Ruhe, darunter 1700 russische, 113 britische, 116 italienische und 155 rumänische Soldaten. Noch während des Krieges wurde zu ihrem Gedenken ein Denkmal errichtet.
In den Jahren 1922/23 plante die Commonwealth War Graves Commission (CWGC), in Deutschland vier zentrale Friedhöfe für die gefallenen Soldaten und verstorbenen Angehörigen des Commonwealth einzurichten. Aufgrund religiöser oder anderer Gründe konnten jedoch nicht alle bestehenden Grabstätten aufgelöst werden. Aus diesem Grund blieb die Kriegsgräberstätte auf dem Hauptfriedhof Hochheimer Höhe in Worms erhalten. (Worms (Hochheim Hill) Cemetery)


Im Jahr 1916 wurde das Handwerker- und Gewerbeamt als erste dieser Art in Worms gegründet, eine Institution, die neue Maßstäbe in der beruflichen Organisation und Unterstützung setzte.
Die Nacht vom 6. auf den 7. Juli 1917 brachte Unruhe und Angst, als feindliche Flieger über Worms erschienen und rund zwanzig Bomben abwarfen. Glücklicherweise schlugen die meisten Bomben auf freiem Feld ein und verursachten nur begrenzte Schäden.




Mit dem Ende der Monarchie am 8. November 1918 übernahm ein Arbeiter- und Soldatenrat unter der Leitung von Peter Bender die vollziehende Gewalt, die jedoch bereits am 3. Dezember desselben Jahres wieder abgegeben wurde.
Im Frühjahr 1919 begann die Stadtverwaltung mit dem Bau von 24 Kleinwohnungen an der Pfeddersheimer- und Kyffhäuserstraße, was den Beginn des kommunalen Wohnungsbaus markierte. Dieser Bau wurde in den folgenden Jahren kontinuierlich ausgeweitet.

 

Heinrich Köhler, Stadtgeschichte Worms

Die Kommunalwahlen am 9. November 1919 brachten den Sozialdemokraten mit 40,3 % und 17 Stimmen den Sieg, wodurch sie zur stärksten Partei im Stadtrat wurden. Zusammen mit der Demokratischen Partei (11,4 %, 5 Stimmen) hatten sie die Mehrheit. Heinrich Köhler von der DVP blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1924 Oberbürgermeister.


Am 23. Dezember 1919 gründete die Firma Doerr & Reinhart das Kinderheim St. Marien, ein Schritt zur sozialen Unterstützung von Kindern in schwierigen Zeiten.



Der VfR 08 Worms entstand im Juni 1919 aus der Fusion von FC Union 1908 und Viktoria 1912. Der Verein besaß einen Sportplatz am Schweißwerk, der die „Aul“ ersetzte. Die Vereinsfarben wechselten zu Schwarz-Weiß und 1929 zu Rot-Weiß.
1927/28 wurde das Wormatia-Stadion an der Alzeyer Straße erbaut. Nach der Fusion mit dem Reichsbahn Turn- und Sportverein zum RTSV Wormatia 08 Worms am 17. Januar 1939 wurde die seit 1933 „Adolf-Hitler-Stadion“ genannte Spielstätte im Rahmen eines größeren Sportkomplexes umfangreich umgebaut.



Am 15. Mai 1920 stiftete Freiherr Cornelius von Heyl das Kunsthaus Heylshof der Öffentlichkeit. Seine wertvollen Sammlungen wurden jedoch 1945 bei einem Luftangriff zerstört.




Am 26. September 1920 wurde der Grundstein für den Wiederaufbau der St. Nikolauskapelle am Dom gelegt, nachdem die Kapelle aufgrund von Baufälligkeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg niedergelegt worden war.




Die Rhenania Worms AG wurde im Jahr 1921 im Wormser Hafen gegründet. Das Unternehmen entstand, um den Umschlag von Gütern zwischen Rheinschiffen, Eisenbahn und Lastwagen zu organisieren und damit den Handel in der Region zu erleichtern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Hafenanlagen wieder aufgebaut und der Güterumschlag weiter ausgebaut. In den folgenden Jahrzehnten modernisierte das Unternehmen seine Logistik und entwickelte sich zu einem wichtigen Umschlagbetrieb für verschiedene Transportwege. Heute gehört die Rhenania Worms AG jeweils zur Hälfte der Stadt Worms und der Logistikgruppe Rhenus Group und betreibt moderne Logistik- und Umschlaganlagen im Wormser Hafen.


Friedrich Ebert, der erste Reichspräsident der Weimarer Republik, war in Worms. Ebert besuchte Worms am 26. Juli 1921. Dieser Besuch war Teil einer Reise durch Rheinland-Pfalz und andere westdeutsche Gebiete. Ebert wurde in Worms feierlich empfangen und hielt eine Rede, in der er auf die Bedeutung des demokratischen Aufbaus in Deutschland und die Herausforderungen der jungen Weimarer Republik einging.
Der Besuch Eberts in Worms war ein bedeutendes Ereignis für die Stadt, da er einer der prominentesten deutschen Politiker seiner Zeit war und die Demokratisierung Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg vorantrieb.


Am 21. September 1921 kam es zu einer gewaltigen Explosion im Oppauer Werk der Badischen Anilin- und Sodafabrik, die die Anlage zerstörte. Die Druckwellen beschädigten auch zahlreiche Fenster in Worms, darunter etwa 1000 m² der gemalten Fenster des Wormser Doms.



Im Rahmen der 400-Jahr-Feier des Wormser Reichstags fand im Jahr 1921 eine feierliche Lutherfeier am Lutherdenkmal statt.


Hans Hinkel, Stadtgeschichte Worms

Die erste Ortsgruppe der NSDAP wurde im Jahr 1922 auf Initiative von Hans Hinkel gegründet, mit einer erneuten Gründung am 27. Oktober 1925.



Am 23. September 1923 starb Freiherr Cornelius Wilhelm Heylzu Herrnsheim in Pfauenmoos. Als bedeutender Unternehmer und sozial engagierter Bürger hatte er die Lederfabrik übernommen und weiterentwickelt sowie zahlreiche soziale Projekte initiiert. Sein Tod hinterließ eine Lücke in der Gemeinschaft, die durch seine umfassenden Beiträge zu Industrie und Sozialwesen geprägt war.



Während der Hyperinflation 1922/1923 erlebte Worms, wie der Rest Deutschlands, eine dramatische Entwertung der Währung, was zu extremen Preissteigerungen und einem Zusammenbruch des traditionellen Handels führte. Die Stadt versuchte, die Krise durch die Ausgabe von Notgeld zu mildern, aber die wirtschaftliche Not und das soziale Unbehagen blieben gravierend.



Am 10. Oktober 1923 schlossen die Werger-Brauerei AG aus Worms und die Eichbaum-Brauerei AG aus Mannheim einen Interessengemeinschaftsvertrag, der sechs Jahre später zur Fusion der beiden Unternehmen zur Eichbaum-Werger-Brauerei AG in Worms führte.



Am 5. Juni 1924 wurde der ehemalige Oberbürgermeister Heinrich Köhler nach einer Gedächtnisfeier in Darmstadt nach Worms überführt. Ein großer Trauerzug begleitete ihn am folgenden Tag zum Friedhof auf der Hochheimer Höhe, wo er beigesetzt wurde.

Albert Schulte (1877–1952) war ein deutscher Politiker (SPD) und von 1946 bis 1952 Oberbürgermeister der Stadt Worms.


Albert Schulte (1877–1952) war ein deutscher Politiker (SPD) und von 1946 bis 1952 Oberbürgermeister der Stadt Worms.
Bedeutung für Worms:
Nach dem Zweiten Weltkrieg prägte er maßgeblich den Wiederaufbau der stark zerstörten Stadt. Zu seinen Ehren wurde die zentrale Grünanlage am Hauptbahnhof, die zuvor als „Alter Friedhof“ oder „Bahnhofsfriedhof“ bekannt war, in Albert-Schulte-Park umbenannt.



Im Jahr 1925 entstand als Gegenstück zur Landhaussiedlung Metzendorfs eine neue Siedlung für die gehobenen Mitarbeiter der Lederfabrik Heyl. Außerdem errichtete Stadtbaumeister Georg Metzler in diesem Jahr Mietshäuser für städtische und Reichsfinanzbeamte in der Seidenbenderstraße sowie in der Kant- und Hegelstraße.

Am 26. Februar 1925 verstarb General-Leutnant Maximilian Freiherr von Heyl, der Gründer des Wormser Museums und Stifter der Lutherbibliothek. Kurz vor seinem Tod wurde er von der Technischen Hochschule Darmstadt mit dem Titel eines Doktor-Ingenieurs geehrt.


Im August 1925 wurde der Dom im Rahmen der Burchard-Feier zur päpstlichen Basilica Minor erhoben. Ein Wappenstein am südlichen Domeingang erinnert an diese Auszeichnung.



Wilhelm Marx, der zweimalige Reichskanzler der Weimarer Republik (1923-1925 und 1926-1928), besuchte Worms. Ein bemerkenswerter Besuch fand am 23. April 1925 statt, während seines ersten Amts als Reichskanzler. Dieser Besuch war Teil seines Engagements für den Wahlkampf zur Reichspräsidentenwahl, bei der er kandidierte. Während seines Aufenthalts in Worms nahm er an verschiedenen Veranstaltungen teil und hielt Reden, in denen er seine politischen Positionen darlegte und um Unterstützung warb. Marx war eine bedeutende Figur der Zentrumspartei und spielte eine zentrale Rolle in der instabilen politischen Landschaft der Weimarer Republik.


Am 4. September 1926 wurde das „Haus des Handwerks“, früher bekannt als Gernsheimsches Haus in der Kämmererstraße, eingeweiht. Leider wurde es im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört.


Am 1. Dezember 1926 mussten die Restaurierungs- und Bauarbeiten am Dom aufgrund fehlender finanzieller Mittel eingestellt werden. An diesem Tag wurde auch die Kreisdelegatur Worms der Interalliierten Rheinlandkommission aufgelöst.


Im Jahr 1927 waren in der Lederindustrie nahezu 8000 Personen beschäftigt, davon etwa 4600 bei der Cornelius Heyl AG, 1200 im seit 1923 selbständigen Lederwerk Heyl/Liebenau und 2000 bei Doerr & Reinhart.



1928 übernahm der Dominikanerorden die gesamte Anlage des ehemaligen St. Paulusstifts einschließlich der Pauluskirche.


Erstes Fahrradgeschäft in Worms:
Mechanikermeister Heinrich Gölz, hat 1928 sein Hobby, das Rennradfahren, zum Beruf gemacht und ein Fahrradgeschäft mit Werkstatt in der Bensheimer Straße eröffnet. Später kamen noch Motorräder, Mopeds und Motorroller dazu.


Am 1. März 1928 verlegte das Zollamt seine Amtsräume in das neu errichtete Gebäude an der Rheinstraße 1.

Am 15. Juli 1929 wurde Wilhelm Rahn als Beigeordneter zum Oberbürgermeister von Worms gewählt.
Der geheime Sanitätsrat Karl Köhl, ein führender Prähistoriker und langjähriger Kustos des Städtischen Museums, verstarb am 4. Dezember 1929. Für seine Verdienste um die vor- und frühgeschichtliche Sammlung wurde er geehrt.

 

Im Februar 1929 fror der Rhein zu, und am 30. Juni 1930 zogen die französischen Besatzungstruppen ab.


Eine Befreiungsfeier fand statt, und am folgenden Tag wurde in Anwesenheit des hessischen Staatspräsidenten das neue städtische Museum im Andreasstift eröffnet, nachdem die Sammlungen vom Altertumsverein verlagert worden waren.



Wormser Zeitung am Rhein Befreiungsfeier 30 Juni 1930

Am 30. Juni 1930 veröffentlichte die Wormser Zeitung eine Sonderausgabe zum Abschluss der elfeinhalbjährigen Besatzungszeit am Rhein. Diese Ausgabe trug den Titel „Frei ist der Rhein“ und enthielt Beiträge von Wormser Bürgern, die ihre Erlebnisse während der Besatzungszeit schilderten. Zusätzlich wurde das Volksschauspiel „Der Rhein ist frei!“ von Konrad Fischer abgedruckt, das anlässlich der Befreiungsfeier im städtischen Spiel- und Festhaus aufgeführt wurde.
REGIONALGESCHICHTE.NET

Montag 30 Juni 1930 - Caserne des Vallieres - Die Französichen Besatzungstruppen verlassen Worms Montag 30 Juni 1930 - Caserne des Vallieres - Die Französichen Besatzungstruppen verlassen Worms

Die Sonderausgabe war schnell vergriffen, was die Bedeutung dieses historischen Moments für die lokale Bevölkerung unterstreicht. Die Wormser Zeitung hat später ein Buch mit dem Titel „Frei ist der Rhein“ herausgegeben, das neben den Beiträgen der Sonderausgabe weitere Artikel zur Besatzungszeit enthält.
1914-1930-RLP.DE
Für diejenigen, die Interesse an historischen Ausgaben der Wormser Zeitung haben, bietet das Stadtarchiv Worms digitalisierte Bestände an. Zwar sind die Ausgaben von 1914 bis 1918 online verfügbar, doch für spätere Jahrgänge, einschließlich der Ausgabe vom 30. Juni 1930, empfiehlt es sich, direkt beim Stadtarchiv nachzufragen.
WORMS.DE
Die Befreiungsfeierlichkeiten am 30. Juni 1930 wurden unter der Leitung von Oberbürgermeister Wilhelm Rahn organisiert. Bereits ab Mitte Mai wurden umfangreiche Vorbereitungen getroffen, und die lokalen Zeitungen berichteten ausführlich über den Ablauf der Feierlichkeiten.
REGIONALGESCHICHTE.NET
Die Sonderausgabe der Wormser Zeitung vom 30. Juni 1930 stellt somit ein wertvolles Zeitdokument dar, das Einblicke in die lokale Wahrnehmung des Endes der Besatzungszeit bietet.




12. Juni 1932 
Adolf Hitler spricht im Stadion an der Alzeyer Straße vor 30.000 Menschen.



21. August 1932 
Das Ehrenmal der 118er (Infanterie Regiment Prinz Carl Nr. 118) wird enthüllt. Die Gelder für das Denkmal, von Paul Birr/Berlin gestaltet, wurde vom Verein der ehemaligen 118er aufgebracht. Anlässlich der Weihe wird das Denkmal der Stadt geschenkt. Die Festrede hält Generalmajor v. Münter, ehemaliger Kommandeur der 118er. Der frühere Großherzog Ernst Ludwig nimmt an den Feierlichkeiten teil.




Großherzog Ernst Ludwig und Worms – Kultur, Wirtschaft und Familie
Ernst Ludwig Karl Albrecht Wilhelm von Hessen und bei Rhein (*1868, †1937) war von 1892 bis 1918 der letzte regierende Großherzog von Hessen-Darmstadt. Er entstammte der jüngsten Linie des Hauses Hessen. Seine Eltern waren Großherzog Ludwig IV. und Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland, Tochter von Königin Victoria. Damit war Ernst Ludwig ein Enkel der britischen Königin und Cousin von Kaiser Wilhelm II. sowie der russischen Zarin Alexandra Feodorowna. Seine Geschwister waren u. a. Viktoria, Elisabeth, Irene und Alix (später Zarin von Russland).
Familie und Ehe
Ernst Ludwig heiratete 1894 Victoria Melita von Sachsen-Coburg und Gotha, eine Enkelin von Königin Victoria. Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein und Victoria Melita von Sachsen-Coburg und Gotha hatten nur ein überlebendes Kind aus ihrer Ehe:
Prinzessin Elisabeth Marie Alice Victoria von Hessen und bei Rhein (Geboren: 11. März 1895 in Darmstadt - Gestorben: 16. November 1903 in Skierniewice (Russisches Kaiserreich, heute Polen) an Typhus. Zusätzlich gab es eine Totgeburt eines Sohnes im Jahr 1900, danach zerbrach die Ehe und wurde am 21. Dezember 1901 geschieden. Die Ehe war unglücklich und wurde 1901 geschieden.
Bedeutung für Worms
Obwohl Ernst Ludwig vor allem durch die Gründung der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe in Darmstadt bekannt ist, hatte seine Reformpolitik auch Auswirkungen auf Worms und Rheinhessen:
1. Förderung des Weinbaus
Ernst Ludwig unterstützte die Modernisierung des Rheinhessischen Weinbaus. Die Gründung der Weinbauschule in Oppenheim (1900) war ein Meilenstein für die Region, von dem auch Worms als Weinhandelsstadt profitierte. Ziel war die Qualitätssteigerung und internationale Wettbewerbsfähigkeit des hessischen Weins.
2. Kulturelle Impulse
Unter seiner Regentschaft wurde Worms in die hessische Kulturpolitik eingebunden. Ernst Ludwig förderte den Jugendstil und die Kunsthandwerksbewegung, die sich auch in öffentlichen Bauten und Denkmälern in Rheinhessen niederschlug. Ein Beispiel ist die Beteiligung an der Gestaltung von Denkmälern für hessische Regimenter, wie das Denkmal für das Großherzoglich-Hessische Regiment Nr. 117, das 1933 in Mainz eingeweiht wurde und auch für Wormser Soldaten Bedeutung hatte.
3. Infrastruktur und Wirtschaft
Ernst Ludwig setzte auf die Verbindung von Kunst und Industrie. Seine Reformideen stärkten die regionale Wirtschaft, insbesondere die Textil- und Lederindustrie, die auch in Worms ansässig war. Durch Ausstellungen und Netzwerke förderte er den Export und die Modernisierung.
Nachwirkung
Nach der Novemberrevolution 1918 weigerte sich Ernst Ludwig zunächst abzudanken, wurde aber vom Arbeiter- und Soldatenrat abgesetzt. Er zog sich mit seiner Familie ins Schloss Wolfsgarten zurück. Sein kulturelles Erbe – die Förderung von Kunst, Architektur und regionaler Wirtschaft – wirkt bis heute nach und prägte auch Worms als Teil des Großherzogtums Hessen.




Luftschiff über Worms 1930
"Luftschiff LZ 127 „Graf Zeppelin“, damals der einzige in Deutschland existierende Zeppelin. Er machte am 20. Juli 1930 eine Fahrt nach Lachen-Neustadt in der Pfalz, eine Rundfahrt über die Pfalz und fuhr am selben Tag wieder zurück nach Friedrichshafen. Leider ist der ausführliche Fahrtbericht mit den überflogenen Orten nicht erhalten."*

Am 14. Dezember 1932 brannte das Theater ab. Zwei arbeitslose junge Männer, der eine 1912, der andere 1913 geboren, der eine hatte eine Malerlehre, der andere eine Ausbildung zum Schiffer gemacht, waren in das Gebäude eingedrungen und hatten nach Bargeld gesucht. Ohne Beute, voller Frust zündete der eine ein Stück Tuch an und warf es in die Kulissenwände. Von der gegenüberliegenden Gutenbergstraße haben beide sich den Untergang des Theaters angeschaut. „Was der Kunstsinn der Bürger, was die Aufwendungen bedeutender Mittel ermöglichten, in wenigen Stunden fraßen es die Flammen“, schrieb die Wormser Zeitung.


1933 - Vom Sedantag zum Backfischfest – Wie Worms sein Lächeln zurückeroberte
Ein Weinfest am Rhein, zur alten Zeit des Sedantages, aber ohne politische Aufladung – dafür mit Genuss, Gemeinschaft und einem Augenzwinkern.
Der Name? Backfischfest.
Ungewöhnlich. Bodenständig. Genau richtig.
Im September 1933 öffnete das neue Fest zum ersten Mal seine Pforten – neun Tage Frohsinn am Fluss. Trotz Skepsis von Wirten und Fischern war die Resonanz überwältigend. Der Duft von Wein und Zwiebelkuchen lag über den Zelten, Lachen und Musik füllten die Straßen. Worms hatte sich ein Stück Lebensfreude zurückgeholt.



Die Olympischen Spiele von 1936 wirkten sich schon Jahre zuvor spürbar auf Worms aus. Obwohl die Stadt selbst nicht Austragungsort war, nutzte das NS-Regime das Großereignis als Propagandainstrument, das bis in den lokalen Alltag reichte. In Worms wurden Zeitungen, Schulen und Vereine gleichgeschaltet und auf eine gemeinsame, begeisterte Darstellung der „neuen deutschen Stärke“ eingeschworen. Sportvereine mussten sich neu ordnen, jüdische Sportler wurden ausgeschlossen, und die Hitlerjugend sowie der BDM inszenierten Sportappelle und Wettkämpfe, die den olympischen Geist ideologisch vereinnahmten. Auch kulturelle Veranstaltungen, Stadtwerbung und öffentliche Feiern wurden stärker politisiert, weil sich Worms im olympischen Jahr als repräsentatives deutsches Kulturzentrum präsentieren sollte. So hinterließen die Spiele, lange bevor sie in Berlin begannen, auch in Worms deutliche Spuren eines Regimes, das Sport zur politischen Bühne machte.


Das Städtische Spiel- und Festhaus wird in Anwesenheit des Reichsstatthalters Sprenger, des Staatsministers Jung und des Präsidenten der Reichstheaterkammer, Ministerialrat Otto Laubinger, eingeweiht. Nach zweijähriger Rekonstruktion, die zugleich eine Modernisierung der bisherigen Bühne und Technik bedeutete, wurde das Gebäude am 28. Oktober 1934 wiedereröffnet – mit Hebbels „Nibelungen“. Und so sah es damals aus:
Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propagande, Dr. Joseph Goebbels, hält eine Rede im Wassergasschweißwerk und wohnt der Aufführung von Friedrich Hebbels "Nibelungen" im Städtischen Spiel- und Festhaus bei. Die Nibelungenfestspiele finden im Rahmen der Reichstheaterwoche des Propagandaministeriums statt. Goebbels übrigens hielt sich nicht lange hier auf, noch am Abend fuhr er nach Mannheim – und kam nie wieder.
Die Inszenierung stammte vom Hessischen Landestheater in Darmstadt und gut besetzt mit bekannten Bühnen- und Filmschauspielern wie Carl Raddatz (Gunther), Maria Koppenhöfer (Brünhild) und Agnes Straub (Kriemhild).


Nach der 1937 durchgeführten Aufhebung der drei Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen wurde am 1. November 1938 in Hessen eine einschneidende Gebietsreform durchgeführt. Im Umkreis von Worms wurden der Kreis Oppenheim und der Kreis Bensheim aufgelöst. Dabei wurden die rechtsrheinischen Gemeinden Lampertheim, Bürstadt, Hofheim und Biblis dem neugeschaffenen Landkreis Worms, der aus dem Kreis Worms hervorging, angegliedert. Die Städte Mainz und Worms wurden als Stadtkreise verselbständigt. Diese so geschaffene Verwaltungsgliederung hatte bis zum Kriegsende 1945 Bestand.

Die Synagoge brannte lichterloh, ein Symbol jahrhundertealter jüdischer Kultur in Flammen aufgegangen. Mehr als elf Geschäfte, die einst das Herz der jüdischen Gemeinschaft in Worms ausmachten, wurden in Schutt und Asche gelegt. Die Gewalt machte auch vor den Türen der Privatwohnungen nicht Halt: 130 jüdische Familien wurden aus ihren Heimstätten gerissen, ihre Wohnungen verwüstet, ihr Leben zerstört. 46 Männer, Väter, Söhne und Brüder, wurden in die Fänge der Unmenschlichkeit getrieben und nach Buchenwald deportiert.
1933 zählte die jüdische Gemeinde in Worms etwas mehr als 1.000 Mitglieder. Viele spürten die drohende Gefahr und versuchten verzweifelt, in die Nachbarländer zu fliehen. Doch auch dort holte sie der Krieg ein, als die Deutschen einmarschierten und die Fluchtwege verschlossen wurden. Im Oktober 1938 wurden 37 Juden nach Zbąszyń deportiert, keiner von ihnen kehrte zurück. Der Alptraum setzte sich fort, als im März 1942 die Deportationen in die Vernichtungslager im Osten begannen. Bis zum Ende des Krieges, 1945, wurden 439 Wormser Juden ermordet. Als die amerikanischen Truppen im März 1945 in Worms einmarschierten, fanden sie eine Stadt vor, in der kein einziger Jude mehr lebte – die jahrhundertealte Gemeinschaft ausgelöscht, das Erbe einer Kultur von unsäglicher Brutalität vernichtet.




Wilhelm Eduard Freiherr von Schoen, Stadtgeschichte Worms

1909 wurde Friedrich Wilhelm von Schoen für seine Verdienste um die Glyptothek in München nobilitiert und erhielt 1939 das Ehrenbürgerrecht.

Wilhelm Eduard Freiherr von Schoen – Ein Diplomat zwischen Frieden und Krieg
Wilhelm Eduard von Schoen wurde am 3. Juni 1851 in Worms geboren, als jüngster Sohn eines Fabrikbesitzers, der früh verstarb. Nach dem Tod seines Vaters zog seine Familie nach Berchtesgaden, wo sein Leben von Kindheit an von Umzügen und familiären Veränderungen geprägt war. Schon früh lernte er, sich in neuen Umgebungen zurechtzufinden – eine Fähigkeit, die ihm später in der Weltpolitik zugutekommen sollte.
Nach einer militärischen Ausbildung als Dragoneroffizier entschied sich Wilhelm Eduard 1877 für den diplomatischen Dienst. Es folgten Jahre der Arbeit in europäischen Hauptstädten: von Paris über Kopenhagen bis nach Sankt Petersburg. Immer wieder zeigte er ein feines Gespür für politische Spannungen, sei es während der Marokkokrise 1905 oder in den unruhigen Tagen nach dem Petersburger Blutsonntag.
1907 trat Schoen die Nachfolge von Heinrich von Tschirschky als Staatssekretär im Auswärtigen Amt an. Doch die wohl bedeutendste Station seines Lebens begann 1910, als er deutscher Botschafter in Paris wurde. Hier erlebte er die schicksalhaften Juli-Tage 1914: die diplomatischen Verhandlungen, das drohende Unheil – und schließlich, am 3. August, die Übergabe der deutschen Kriegserklärung an Frankreich.
Privat fand Schoen 1885 sein Glück mit Bertha Freiin de Groote, Tochter eines belgischen Gesandten, und gründete eine Familie, aus der ebenfalls Diplomaten hervorgingen. Für seine Verdienste um die deutsch-französischen Beziehungen erhielt er das Großkreuz der französischen Ehrenlegion.
Wilhelm Eduard Freiherr von Schoen starb am 24. April 1933 in Berchtesgaden. Sein Leben war geprägt von der Balance zwischen diplomatischem Geschick und den Stürmen der Geschichte – ein Zeuge der politischen Spannungen, die Europa in Brand setzten.



Eine Stadt, ein Fluss und ein Neuanfang: Die Geschichte des Röhm-Werks in Worms

Im Jahr 1942, mitten im tobenden Zweiten Weltkrieg, fiel eine wegweisende Entscheidung in den Chefetagen von Röhm & Haas: Das Stammwerk in Darmstadt war an seine Grenzen gestoßen. Für die ehrgeizige Ausweitung der Produktion musste ein neuer Standort her. Der Blick fiel auf Worms – eine alte Stadt mit stolzer Geschichte, strategisch günstig am Rhein gelegen, nahe der Reichsstraße 9. Auf rund 87.000 Quadratmetern sollte ein modernes Werk entstehen, das Blausäure und Methylmethacrylat herstellen würde – Grundstoffe für das zukunftsweisende PLEXIGLAS®.


Die Röhm & Haas GmbH © Evonik lndustries AG, Konzernarchiv Hanau, Bestand Röhrn. Die Röhm & Haas GmbH im Jahr 1942 - © Evonik lndustries AG, Konzernarchiv Hanau, Bestand Röhrn.

Die Bauarbeiten begannen mit großem Elan. Trotz Kriegszeiten wuchs das Werk schnell – zunächst. Doch dann kamen die Luftangriffe. 1943 und 1944 legten alliierte Bomber große Teile des entstehenden Werks in Trümmer. Die Hoffnung auf einen raschen Aufbau zerbrach unter den Detonationen. Schließlich ruhte alles. Als 1945 der Krieg endete, besetzten französische Truppen das Gelände. Die Vision von einem Chemiezentrum in Worms schien ausgeträumt.
Doch dann – ein Jahrzehnt später – keimte neues Leben auf dem stillgelegten Gelände. 1955, in einem Land im Wiederaufbau, nahmen die Röhm-Ingenieure erneut Anlauf. Schritt für Schritt wurden die ersten Anlagen in Betrieb genommen, zunächst für Acetoncyanhydrin, bald auch für Methylmethacrylat. Wieder wurde produziert, wieder wurde gedacht, entwickelt, verbessert. Bald entstanden sogar Recyclinganlagen, die Schwefelsäure aufbereiteten und dem Kreislauf erneut zuführten – ein früher Schritt Richtung Nachhaltigkeit.
Aus Ruinen wurde Fortschritt. Aus Stillstand entstand eines der wichtigsten Werke von Röhm. Heute, viele Jahrzehnte später, gehört der Standort Worms zur 2019 neu gegründeten Röhm GmbH – und das Erbe von damals lebt weiter: im PLEXIGLAS®, in Innovationen, in einer Stadt, die einst zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.

Bei den Nibelungen-Festspielen Worms 2008 wurde das Theaterstück „Siegfrieds Frauen“ von Moritz Rinke aufgeführt, das die weiblichen Perspektiven der Nibelungensage beleuchtete. Die Röhm GmbH war ein langjähriger Sponsor der Festspiele und unterstützte die kulturelle Entwicklung der Region.
Ein besonderes Highlight war das PLEXIGLAS®-Pferd, auf dem Brünhild in einer früheren Inszenierung auftrat. Es symbolisierte die Verbindung von moderner Technik und mythologischer Darstellung – und wurde aus dem von Röhm entwickelten Material gefertigt.





„Lichtfänger in der Stadt der Nibelungen“ – Die Geschichte des August Füller
Als August Füller im Frühjahr 1898 aus Berlin nach Worms kam, trug er nicht viel mehr bei sich als seine Kamera, ein paar Glasplatten – und eine Vision. Der gebürtige Mainzer war kein gewöhnlicher Fotograf. Er war ein Chronist, ein Künstler, ein Mann mit dem Blick für das Wesentliche in einer sich wandelnden Stadt.
Worms war damals eine Stadt im Umbruch. Die Straßen wurden breiter, alte Gebäude verschwanden, neue entstanden. Füller, der sich 1903 in der Hardtgasse selbstständig machte, wurde bald mehr als nur ein Fotograf – er wurde der „Hoffotograf“ der Stadt. Mit seinem Objektiv fing er nicht nur Fassaden ein, sondern Geschichten. Seine Bilder zeigten das Leben, die Arbeit, die Veränderungen – und manchmal auch die Stille zwischen den Zeiten.
Sein Atelier war ein Ort der Begegnung. Bürger kamen, um sich porträtieren zu lassen, Architekten brachten Pläne, das Stadtbauamt bat um Dokumentationen. Füller lieferte stets „in schönster und technisch tadelloser Ausführung“, wie es später im Stadtarchiv hieß. Seine künstlerische Auffassung prägte das visuelle Gedächtnis von Worms – bis heute.
Doch August Füller war nicht nur Fotograf. In den 1920er Jahren gründete er einen Kunst- und Industrieverlag, wagte sich ins Filmgeschäft und dokumentierte die Stadt in bewegten Bildern. Über 10.000 Glasnegative sind erhalten – ein Schatz, der die Geschichte Worms’ konserviert wie in Bernstein.
Als er 1942 starb, übernahm sein Sohn Curt das Atelier und führte das Werk des Vaters fort. Doch der Name August Füller blieb – als Synonym für das Auge, das Worms sah, wie es war, und wie es wurde.




Worms im Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Auch in Worms existierte während der NS-Zeit organisierter ziviler Widerstand. Die Stadt war Teil eines reichsweiten Netzwerks, das einen politischen Umsturz nach dem geplanten Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 vorbereiten sollte.
Der Wormser Widerstand gehörte zum Vertrauensleutenetz des Sozialdemokraten Wilhelm Leuschner. Die örtliche Leitung lag bei Heinrich Ahl und Dr. Ernst Kilb. Ziel war es, im Falle eines erfolgreichen Umsturzes demokratische Verwaltungsstrukturen zu übernehmen.
Mehrere Beteiligte waren bereits früh Verfolgung ausgesetzt. Alfred Freitag und Otto Wedekind wurden 1933/34 im nahegelegenen KZ Osthofen inhaftiert. Dies belegt die frühe Gegnerschaft zum NS-Regime in Worms und Umgebung.
Worms war Teil eines regionalen Widerstandsnetzes in Rheinhessen mit weiteren Stützpunkten, unter anderem in Oppenheim, Nierstein und Bingen. Die Gruppen sollten erst im Moment eines erfolgreichen Umsturzes öffentlich aktiv werden.
Nach 1945 übernahmen ehemalige Widerstandskämpfer Verantwortung beim demokratischen Neubeginn. Dr. Ernst Kilb wurde von der amerikanischen Militärregierung zum Oberbürgermeister von Worms ernannt.
Der Widerstand in Worms steht beispielhaft für Zivilcourage, demokratische Haltung und politischen Mut auf lokaler Ebene.





Durch zwei alliierte Bombenangriffe am 21. Februar und 18. März 1945 wurde die Stadt weitgehend zerstört. Der britische Luftangriff vom 21. Februar 1945 zielte auf den am Rand der Innenstadt gelegenen Hauptbahnhof und die südwestlich des Stadtzentrums gelegenen Chemiefabriken, zerstörte aber auch weite Teile des Stadtzentrums, darunter auch die 1709–1725 als „Reformationsgedächtniskirche“ errichtete Dreifaltigkeitskirche, die bis auf die Außenmauern und Teile des Turmes komplett ausbrannte.

 


In Brand gesetzt wurde dabei auch der  Wormser Dom. 239 Einwohner starben. Beim US-amerikanischen Angriff vom 18. März 1945 wurden 141 Personen getötet. Durch die Angriffe wurden etwa 15.000 Einwohner obdachlos. 35 % des Gebäudebestands wurden vollständig zerstört, weitere 29 % unterschiedlich schwer beschädigt. Die Innenstadt wurde nach dem Krieg in größtenteils modernem Stil wieder aufgebaut. 
(Drucke: Worms am Rhein. Der Wiederaufbau Heft 1 Januar 1946 Sehr seltenes Exemplar. Köhler, Walter (Stadtbaurat), Hanns (Baudezernent). Schmitt und Fritz (Bürgermeister) Schmitt: Verlag: Selbstverlag, 1946)



Heinz Schenk erhielt sein erstes Engagement nach dem Zweiten Weltkrieg in Worms, in einer Kleinkunstbühne namens "Zum Elefanten" (ehemals Schlossergasse 20). Vermutlich trat er dort bereits in den 1930er-Jahren auf (netplosiv.org). Für eine Gage von 5 Reichsmark, ein Abendessen und eine Fahrkarte dritter Klasse parodierte Schenk damals die populären Schauspieler Heinz Rühmann, Theo Lingen, Hans Moser und Hans Albers.




Die Trolley Mission war eine Operation der US-Luftwaffe im Mai 1945, kurz nach Kriegsende in Europa. Amerikanische Bombercrews flogen in B-17-Bombern über zerstörte deutsche Städte wie Köln, Frankfurt oder Dresden, um die Folgen ihrer Einsätze aus der Luft zu sehen. Die Flüge dienten der psychologischen Aufarbeitung, aber auch der Dokumentation – viele der dabei entstandenen Fotos zählen heute zu den wichtigsten Zeugnissen der Kriegszerstörung. Der Name „Trolley Mission“ verweist auf eine Art Rundflug, ähnlich einer Straßenbahnfahrt (trolley car), und hatte auch eine propagandistische Komponente.



08. Mai 1945 – Kapitulation – Ende des 2. Weltkriegs

Die gezeigte Ausgabe der Wormser Zeitung vom 12. Mai 1945 ist die erste, die direkt auf das Kriegsende vom 8. Mai eingeht. Der zentrale Text richtet sich an die Bevölkerung von Stadt und Landkreis Worms und reflektiert die Lage nach der Kapitulation.
In Europa schweigen die Waffen – der Krieg ist beendet. Auch unser deutsches Volk atmet auf, doch tiefe Bitternis erfüllt uns angesichts zerstörter Städte und ungeheurer Opfer. Die versprochene glückliche Zukunft ist einem Zusammenbruch gewichen. Unser Volk, das durch die NSDAP-Diktatur verblendet wurde, erkennt nun mit Entsetzen die Schuld einer kleinen Führerschicht, die sich der Verantwortung entzieht.
Diese Erkenntnis verlangt drei Dinge: Die klare Bejahung der Tatsachen; Die entschlossene Rückkehr zu Freiheit und Moral; Das Gelöbnis, sich nie wieder einer Diktatur zu beugen.
Wir dürfen nicht verzagen, sondern hoffen, dass unser Volk seinen Platz in der Familie der freien Völker findet. Die Waffen der Welt haben Geschichte gemacht – wir neigen uns in Trauer vor unseren Toten und geloben, für eine bessere Zukunft einzutreten.

Als der Krieg endete – ein stiller Tag in Worms
Der 8. Mai 1945 veränderte die Welt. In Reims und später in Berlin-Karlshorst unterzeichneten deutsche Generäle die bedingungslose Kapitulation. Der Zweite Weltkrieg war in Europa vorbei. Doch während diese Nachricht um den Globus ging, lag sie über Worms wie ein fernes Echo.
Die Stadt war kaum wiederzuerkennen. Die Bombenangriffe vom Februar und März hatten Straßen aufgerissen, Häuser zerfetzt, ganze Viertel in Trümmer gelegt. Zwischen rauchgeschwärzten Mauern fuhren Trümmerbahnen, beladen mit Steinen, Balken und dem, was von früher geblieben war. Für die Menschen bedeutete Leben in diesen Tagen nicht Hoffnung – sondern Überleben.
Von Jubel war nichts zu hören. Niemand feierte, niemand lag sich in den Armen. Der Krieg war zwar offiziell zu Ende, doch für die Wormser fühlte sich dieser Tag an wie jeder andere. Die Waffen hatten hier schon seit Wochen geschwiegen, aber Frieden klang anders als Stille. Zu groß war die Erschöpfung, zu tief die Trauer um Tote, Vermisste und verlorene Heimat.
Während amerikanische Soldaten das Kriegsende begingen, räumten die Einwohner vorsichtig erste Trümmer beiseite. Ihre Gedanken galten nicht der Weltpolitik, sondern dem Morgen: Gibt es genug zu essen? Ist das Haus noch bewohnbar? Und vor allem – wo sind unsere Männer? Viele lagen in Kriegsgefangenschaft, von ihrem Schicksal wusste man nichts. In Worms selbst entstanden Lager für deutsche Soldaten. Jede Frau fragte sich, ob dort ein Name fehlte, der ihr gehörte.
Der Alltag spielte sich zwischen Ruinen und Luftschutzkellern ab. Dort hatte man dicht gedrängt gesessen, gehofft, gezittert, geschwiegen. Niemand sprach von Befreiung. Man war froh, dass die Bomben aufgehört hatten – mehr nicht. Die Angst war geblieben.
Ein Junge erinnerte sich später an diesen Moment. Als er im Frühjahr 1945 noch einmal den Hitlergruß zeigte, senkten die Erwachsenen um ihn herum beschämt den Blick. Was gestern richtig gewesen war, war heute falsch. Die alte Welt war verschwunden, doch die neue hatte noch keinen Namen.
Langsam, fast unmerklich, begann sich etwas zu verändern. Die amerikanische Militärregierung setzte neue Verantwortliche ein, um Ordnung in das Chaos zu bringen. Zwischen Trümmern und Not sollten Mut und Struktur zurückkehren. Doch Hoffnung wächst langsam – besonders in einer Stadt, die kaum noch stand.
Erst Jahrzehnte später bekam dieser Tag eine klare Bedeutung. 1985 sprach Bundespräsident Richard von Weizsäcker vom 8. Mai als einem „Tag der Befreiung“. Eine Erkenntnis, die Zeit brauchte. Denn 1945 war die Welt nicht schwarz oder weiß. Sie bestand aus Grautönen: aus Erleichterung und Angst, aus Schuld, Verlust und vorsichtigem Neubeginn.
Für Worms blieb der 8. Mai 1945 ein stiller Tag. Kein Feiertag. Kein Neubeginn mit Pauken und Fahnen. Und doch war er der Anfang von allem, was folgen sollte – lange bevor die Menschen es so empfinden konnten.



FZ Rheinland Pfalz Nr.42-45A Rotes Kreuz FZ Rheinland Pfalz Nr.42-45A Rotes Kreuz
Die vormalige hessische Provinz Rheinhessen wurde 1946 zum Regierungsbezirk Rheinhessen des damals neu gegründeten Landes Rheinland-Pfalz. Von 1968 bis zur Auflösung der rheinland-pfälzischen Regierungsbezirke 2000 gehörte Worms dem Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz an.




1946: Von der Notlösung zum Weltunternehmen – die Geschichte von RENOLIT

Es ist der 4. Mai 1946, die Spuren des Zweiten Weltkriegs sind noch überall sichtbar, als Jakob Müller in Worms den Grundstein für ein Unternehmen legt, das Jahrzehnte später weltweit Maßstäbe setzen wird: RENOLIT. Ursprünglich gegründet, um Lederersatzstoffe aus PVC-Folien herzustellen – dringend gebraucht in der Nachkriegszeit – beginnt damit eine außergewöhnliche Unternehmergeschichte. Der Name „RENOLIT“ steht vermutlich für eine Kombination aus „Reno“ (Lederersatzstoff), „Rhenus“ (Rhein) und „Igelit“, einem damals neuen Kunststoff.

Schon in den 1950er Jahren erkennt Müller die Zeichen der Zeit: Mit dem ersten Kalander wird die industrielle Produktion auf ein neues Niveau gehoben – ein Verfahren, das heute noch im Einsatz ist. Nur wenige Jahre später beginnt RENOLIT, über die Grenzen Deutschlands hinaus zu denken. Mit dem Bau von Produktionsstätten in Spanien, später in den USA und Asien, wird das Unternehmen früh zu einem Global Player.
Doch RENOLIT bleibt nicht stehen. In den 1960er Jahren startet die Fertigung von Möbelfolien – zuerst schlicht in Weiß, später in edler Holzoptik und als tiefgezogene 3D-Dekore. Die 1970er und 80er Jahre bringen weitere Innovationen: selbstklebende Folien, Fassadenbeschichtungen, Fensterfolien – alles, was modernes Bauen verschönert und schützt. RENOLIT-Produkte finden sich bald in Küchen, Krankenhäusern, Wohnhäusern und an Fassaden in aller Welt.
Mit dem Eintritt ins neue Jahrtausend setzt RENOLIT verstärkt auf Nachhaltigkeit und Hightech. Neue Anlagen, darunter Reinräume, hochpräzise Laminatoren und moderne Kraft-Wärme-Kopplung, reduzieren Emissionen und steigern Effizienz. Produkte wie RENOLIT REFACE oder RENOLIT BENDIT zeigen: Das Unternehmen hat den Blick fest in die Zukunft gerichtet. Seit 2019 ist die Organisation neu strukturiert – mit 13 Geschäftseinheiten, die sich gezielt auf Marktsegmente und Innovationen fokussieren.
Zum 75. Jubiläum im Jahr 2021 beschäftigt RENOLIT rund 4.800 Mitarbeitende und erwirtschaftet über eine Milliarde Euro Umsatz. 2023 sind es bereits 1,168 Milliarden Euro – ein deutliches Zeichen für Stabilität und Wachstum. Aus einem kleinen Betrieb in Worms ist ein internationales Hightech-Unternehmen geworden, das mit Kunststofffolien die Welt verändert – und das, ohne seine Wurzeln zu vergessen.



Dr. Christian Eckert (1874–1952), Stadtgeschichte Worms

Dr. Christian Eckert (1874–1952) war ein bedeutender deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Politiker, der unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg als Oberbürgermeister von Worms (1945–1946) fungierte.
Der hochdekorierte Akademiker Dr. Christian Eckert, der als Geheimrat mehrere Doktortitel führte, prägte sowohl die Wissenschaft als auch die Wormser Nachkriegsgeschichte maßgeblich. Als Professor für Nationalökonomie leistete er Pionierarbeit bei der Wiedergründung der Universität zu Köln und wurde 1919 deren erster gewählter Rektor. Seine fachliche Expertise in der Wirtschaftsgeschichte und den Staatswissenschaften qualifizierte ihn 1945 als parteilosen und politisch unbelasteten Fachmann für die Verwaltung seiner Wahlheimat.
Nach der Einnahme der Stadt durch die US-Militärregierung im März 1945 wurde Eckert zum Oberbürgermeister von Worms ernannt. In seiner bis 1946 währenden Amtszeit koordinierte er die prekäre erste Phase des Wiederaufbaus der schwer zerstörten Stadt. Auch nach seinem politischen Ausscheiden blieb er Worms eng verbunden: Er engagierte sich im Altertumsverein und trug durch seine wissenschaftlichen Publikationen in der Zeitschrift Der Wormsgau wesentlich zur Erforschung der regionalen Geschichte bei.




Im Jahr 1948 rollt der erste Zug über die fertiggestellte 983 Meter lange Eisenbahnbrücke über den Rhein. 

Fachhochschule 1978 Postkarte: Fachhochschule 1978

1949 nimmt die Pädagogische Akademie, die später zur Erziehungswissenschaftlichen Hochschule wird, ihren Betrieb auf.
Die historische Pädagogische Akademie Worms war nach dem Zweiten Weltkrieg eine zentrale Säule der rheinland-pfälzischen Lehrerbildung und entwickelte sich später zur eigenständigen Pädagogischen Hochschule (PH) mit Promotionsrecht weiter. Ab 1971 fungierte sie als Abteilung der Erziehungswissenschaftlichen Hochschule Rheinland-Pfalz, bis die akademische Lehrerausbildung Ende der 1970er Jahre im Zuge einer Strukturreform am Standort Worms eingestellt wurde. Auf ihrem Fundament und Gelände entstand 1978 die heutige Hochschule Worms, die den pädagogischen Schwerpunkt jedoch zugunsten von Fachbereichen wie Wirtschaft und Informatik aufgab.



Die Einführung der Deutschen Mark (DM) am 20. Juni 1948 in den westlichen Besatzungszonen Deutschlands bedeutete einen tiefen Einschnitt in das wirtschaftliche und soziale Leben der Nachkriegszeit. Die bisherige Reichsmark war durch Inflation und Mangelwirtschaft nahezu wertlos geworden, Schwarzmarkt und Tauschhandel prägten den Alltag. Mit der Währungsreform erhielt jede Person zunächst 40 DM, später weitere 20 DM, während Sparguthaben stark abgewertet wurden. Für viele Menschen war dies ein schmerzhafter Verlust, zugleich aber die Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Neuanfang.
Auch in Worms, das im Krieg schwere Zerstörungen erlitten hatte, zeigte sich die Wirkung der neuen Währung sehr schnell. Bereits wenige Tage nach der Einführung füllten sich die zuvor leeren Schaufenster, Waren kehrten in den regulären Handel zurück und der Schwarzmarkt verlor an Bedeutung. Geld gewann wieder Vertrauen, und Arbeit sowie Produktion lohnten sich erneut. Handel, Handwerk und Industrie erhielten neue Impulse.


Am Ostermontag 1949 weiht Bischof Stohr von Mainz im Domseitenschiff die dritte Domglocke. Im September 1950 wird am Lutherring das Mahnmal für die Opfer des Faschismus in Anwesenheit mehrerer hundert Menschen feierlich enthüllt. Im selben Jahr wird im Wormser Norden die Lukaskirche erbaut, eine der von der amerikanischen Abteilung des Lutherischen Weltbundes finanzierten steinernen Notkirchen für Deutschland.


Im Jahr 1951 nehmen viele Wormser an der Abschiedsparade der Einheiten der 485. GAA der französischen Panzerdivision teil. Die Franzosen verlassen Worms wenige Tage später und gehen nach Karlsruhe. Im folgenden Jahr beginnt in den Trümmern der durch den Bombenangriff am 21. Februar 1945 zerstörten Magnuskirche der Wiederaufbau des Gotteshauses mit einer feierlichen Andacht.







Im Jahr 1952 wird die Kisselswiese, ein Festplatz am Rhein, für 40.000 Mark instand gesetzt. Im folgenden Jahr wird in Anwesenheit des Bundesministers für Verkehr, Dr. Hans-Christoph Seebohm, des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz Peter Altmeier, des hessischen Innenministers Heinrich Zinnkann und Oberbürgermeister Heinrich Völker die Nibelungenbrücke nach einer Bauzeit von 23 Monaten dem Verkehr übergeben.


Im selben Jahr wird Hermann Staudinger der Nobelpreis für Chemie verliehen. Er wurde 1881 in Worms geboren und machte 1899 am hiesigen Gymnasium sein Abitur. 1926 lehrte er als Professor in Freiburg im Breisgau und betrieb Grundlagenforschung an Textilfasern. 1927 gelang ihm der experimentelle Nachweis der Möglichkeit synthetischer Herstellung.


Möbelfabrik Schramm, Busunglück, Stadtgeschite Worms

Im Jahr 1954 werden Pfeddersheim Stadtrechte verliehen. Im selben Jahr endet der Betriebsausflug für die meisten der Betriebsangehörigen der Hochheimer Möbelfabrik Schramm & Möller an den Eiswoog tragisch. An einem unbeschrankten Bahnübergang zwischen Herrnsheim und Abenheim wird der Bus von einem Personenzug erfasst und zerdrückt. Während vier Personen schwer verletzt überleben, sterben fünfzehn unmittelbar an der Unfallstelle, sieben weitere danach im Stadtkrankenhaus.

1954 Hochwasser in Worms, stadtgeschichte Worms

Im selben Jahr treten starke Schneefälle und Tauwetter auf, die den Rhein über die Ufer treten lassen. Die Rheinpromenade am Pegelhäuschen steht unter Wasser, die Uferdämme werden überschwemmt. Im Ried brechen die Dämme und viele Tiere ertrinken trotz Rettungsversuchen.




In den frühen 1950er-Jahren erschütterte ein Kriminalfall die Stadt Worms und erregte bundesweites Aufsehen. Christa Lehmann ging als die „Pralinenmörderin von Worms“ in die Geschichte ein. Mit dem hochgiftigen Pflanzenschutzmittel E 605 vergiftete sie Menschen aus ihrem engsten Umfeld. Besonders perfide war eine Tat im Jahr 1954: Mit Gift präparierte Pralinen sollten ein gezieltes Opfer treffen – doch eine tragische Verwechslung kostete ein Kind das Leben. Erst der Tod eines Hundes führte die Ermittler auf die Spur des Giftes. Der Prozess offenbarte nicht nur die Kaltblütigkeit der Täterin, sondern auch die Gefahren frei erhältlicher Gifte in der Nachkriegszeit. Der Fall gilt als Meilenstein der deutschen Kriminalgeschichte und machte E 605 als „Wormser Gift“ berüchtigt.



Es war einmal ein Stück Land, das vor langer Zeit ein sumpfiges, unfruchtbares Gebiet war. Es schien unbrauchbar, bis eines Tages im Jahr 1955 ein kleiner, aber entschlossener Luftsportverein auf die Idee kam, genau dort eine Flugbahn zu errichten. Sie pachteten das Land, arbeiteten hart und bald war eine einfache 500 Meter lange Grasbahn entstanden. Die Piloten, die dort flogen, waren begeistert, und zwei Jahre später, im Jahr 1957, wurde die Flugroute offiziell festgelegt – eine Route, die bis heute gilt.
Doch die Zeiten änderten sich. Die Wirtschaft wuchs und verlangte mehr. 1961 wurde die Flugpiste befestigt und asphaltiert, um den wachsenden Ansprüchen gerecht zu werden. Aber die alte Grasbahn wurde nicht vergessen, sie bekam ihren eigenen Platz neben der neuen Piste und blieb bestehen.
Viele Jahre vergingen, und der Flugplatz erlebte besondere Momente. 1990, in einer Zeit des Wandels, startete niemand Geringeres als Michail Gorbatschow von diesem bescheidenen Flugplatz. Ein weiterer denkwürdiger Moment folgte 1994, als Bill Clinton, der Präsident der Vereinigten Staaten, und seine Frau Hillary mit dem Marine One-Hubschrauber auf dem Flugplatz landeten. Sie waren auf dem Weg zu einem Treffen mit Helmut Kohl in dessen privatem Bungalow in Oggersheim.
So verging die Zeit, und das einstige Sumpfland wurde zu einem Ort, an dem Geschichte geschrieben wurde.




Im Jahr 1956 nehmen die Wormser um 11.15 Uhr Abschied von ihrer “Elektrisch” und nutzen am letzten Tag die Freifahrten auf allen Wagen der Straßenbahn. Gleichzeitig werden vierzehn neue Omnibusse offiziell dem Verkehr übergeben. Die Busse fahren im Siebeneinhalb-Minuten-Takt.


1956 Jugendherrberge Worms, Stadtgeschichte Worms

In der alten Wormser Innenstadt stand einst ein Jesuitenkolleg, ein stattliches Gebäude mit Rokokoportal, das die Jahrhunderte überdauerte. Als der Zweite Weltkrieg die Stadt schwer traf, blieb auch dieses Haus nicht verschont. Doch 1956 erhob es sich erneut: weitgehend neu errichtet, aber mit dem stilvollen Portal aus dem 18. Jahrhundert, das wie ein Fenster in vergangene Zeiten wirkte. 
Mit den Jahren zog neues Leben ein. Aus dem früheren Kolleg wurde eine Jugendherberge – modern, hell und offen für Reisende aus aller Welt. Direkt gegenüber dem mächtigen Dom gelegen, entwickelte sie sich zu einem lebendigen Treffpunkt für Familien, Schulklassen und Gruppen, ausgestattet mit rund 120 Betten und viel Raum für Begegnung. 
Vor nicht allzu langer Zeit wurde das Haus erneut verwandelt: Aufwendige Modernisierungen brachten frische Farben, neue Zimmer und ein überarbeitetes Konzept hervor. Nach der Wiedereröffnung präsentierte sich die Jugendherberge jugendlicher denn je – ein Ort, an dem Tradition und moderne Gastfreundschaft harmonisch zusammenfinden. 



Im Jahr 1957 wird aufgrund eines Übereinkommens des Bundes, des Staates Israel, des Landes Rheinland-Pfalz und der “Branche Francaise” das erhalten gebliebene Archivmaterial des jüdischen Gemeindearchivs in die “Central Archives for the History of the Jewish People” nach Jerusalem abgegeben.



Im selben Jahr wird die Partnerschaftsurkunde zwischen St. Albans in England und Worms unterzeichnet.


Ebenfalls 1957 fand die Generalversammlung des Evangelischen Bundes in Worms statt, einem symbolträchtigen Ort der Reformation. Im Fokus standen die ökumenische Zusammenarbeit, die Rolle der Kirche in der Nachkriegszeit sowie die Bewahrung reformatorischer Werte in einer modernen Gesellschaft. Die Veranstaltung unterstrich Worms' Bedeutung als Zentrum des Protestantismus und förderte den Dialog zwischen den Konfessionen.

Im Jahr 1958 verkauft Siegfried Freiherr von Heyl das Schloss Herrnsheim an die Stadt Worms. Im November desselben Jahres wohnt der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Dr. Peter Altmeier der Einweihung des neuen Rathauses am Marktplatz bei.

Im Jahr 1959 wird am Vorabend des Reformationstages in Anwesenheit des Kirchenpräsidenten Martin Niemöller die “Reformations-Gedächtniskirche zur Heiligen Dreifaltigkeit”, unter der Leitung des Architekten Prof. Otto Bartning wiederaufgebaut, feierlich eingeweiht. Im September desselben Jahres vollzieht Landesrabbiner Prof. Dr. E. Róth die Grundsteinlegung für die Synagoge.


Das Werk von Procter & Gamble in Worms wurde 1961 gegründet und entwickelte sich seither zu einem bedeutenden Standort der Waschmittelproduktion in Deutschland und Europa. Nach dem Spatenstich im Mai 1962 entstand innerhalb von nur 14 Monaten eine moderne Fabrik, die von Anfang an auf dem neuesten Stand der Technik war. In den folgenden Jahren wurde das Werk stetig erweitert: 1967 kam eine Anlage zur Herstellung und Verpackung flüssiger Produkte hinzu, 1971 eine Parfümfabrik zur Produktion eigener Duftstoffe. Die günstige Lage an der Bundesstraße 9 und der Anschluss an die Wormser Hafenbahn boten optimale logistische Voraussetzungen. Der Produktionsprozess erfordert eine detaillierte Planung, bei der Rohstoffe wie Flüssigkeiten und Pulver über ein ausgeklügeltes Rohrleitungssystem ins Werk gelangen und dort verarbeitet werden.

Procter & Gamble, 1837 in Cincinnati gegründet, ist heute weltweit führend im Bereich Haushalts- und Körperpflegeprodukte. In Deutschland begann das Unternehmen 1964 mit der Produktion von Dash in Worms – dem ersten Standort in der Bundesrepublik. Mit Ariel und Meister Proper folgten bald weitere bekannte Marken. Das sogenannte „Dash-Werk“ wurde zum größten Arbeitgeber der Stadt und spezialisierte sich später auf die Herstellung von Zwischenprodukten für den globalen Markt.
Der Standort Worms hat sich besonders durch Innovation und Nachhaltigkeit profiliert. Produkte wie die Ariel PODS, die bereits bei 30 °C volle Waschkraft entfalten, stehen für energieeffizientes Waschen. Seit den 1970er-Jahren werden in Worms Tenside produziert, die für Waschmittel weltweit benötigt werden. Die kontinuierliche Weiterentwicklung und enge Zusammenarbeit mit deutscher Forschungsarbeit haben den Standort langfristig gestärkt. Für sein Engagement wurde das Unternehmen 2016 mit dem Sonderpreis für Ressourceneffizienz des Deutschen Nachhaltigkeitspreises ausgezeichnet. Auch im Bereich Ausbildung gilt das Werk als vorbildlich: 2017 wurde es mit dem „Top Job“-Preis für Arbeitgeberqualität geehrt und bildet u. a. Mechatroniker aus.
Heute ist Worms ein hochspezialisierter Standort zur Herstellung von Tensiden und Parfümkomponenten, die in zahlreichen Procter-&-Gamble-Produkten weltweit zum Einsatz kommen. Dabei bleibt Nachhaltigkeit ein zentrales Leitprinzip – sowohl in der Produktion als auch im unternehmerischen Handeln.





Das Tierheim Worms wurde am 01.07.1961 eingeweit, um herrenlose und notleidende Tiere in der Region aufzunehmen und zu versorgen. Seitdem hat es sich stetig weiterentwickelt und engagiert sich neben der Vermittlung von Tieren auch für den Tierschutz, Aufklärung und Präventionsarbeit. Im Laufe der Jahre wurden die Einrichtungen modernisiert, und das Tierheim spielt heute eine zentrale Rolle im Tierschutz in der Region.


Die Bundestagswahl 1961 fand am 17. September 1961
Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, war mehrmals in Worms zu Gast. Besonders hervorzuheben ist sein Besuch im Jahr 1961. Er kam damals im Rahmen des Wahlkampfs für die Bundestagswahl nach Worms. Adenauer hielt in der Stadt eine Wahlkampfrede und wurde von vielen Bürgern begeistert empfangen.


Im Jahr 1961 steht das Kunsthaus Heylshof nach über 20 Jahren der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung. Über zwei Weltkriege hinweg konnten die Kunstschätze gerettet werden. Durch Veräußerung zweier Gemälde vermochte die Stiftung die Bauruine ohne fremdes Geld wiederherzustellen.

19.07.1961 ∙ SWR Retro – Abendschau ∙ SWR: Ökumenische Persönlichkeiten

Auf Einladung des Bundespresseamtes besuchten 20 Geistliche aus afrikanischen Ländern sowie aus Frankreich, Finnland, Holland und Schweden die Bundesrepublik.


Im Dezember desselben Jahres erfolgt die stimmungsvolle und feierliche Einweihung der wieder erbauten Synagoge.
Am 3. Dezember 1961, dem ersten Tag des jüdischen Chanukkah-Festes 5722, erfolgt die stimmungsvolle und feierliche Einweihung der wieder erbauten Synagoge. Als Symbol der Verständigung haben Bund, Land und die Stadt Worms das Gotteshaus aufgebaut. Zahlreiche Ehrengäste aus dem In- und Ausland, unter anderem Vizekanzler Prof. Ludwig Erhard, Ministerpräsident Dr. Altmeier, wohnen der Zeremonie bei.


Im Jahr 1962 bricht kurz nach Mitternacht ein Großbrand in den Karl-Kübel-Möbelwerken aus und wird zur Bedrohung für das ganze Industriegebiet. Über 45 Feuerwehren aus dem gesamten Regierungsbezirk, sogar aus Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Kaiserslautern und dem Ried sind im Einsatz, um ein Übergreifen der Flammen zu verhindern. Trotzdem wird durch Funkenflug ein weiteres Großfeuer in der Rohpappenfabrik verursacht.


Im Jahr 1963, dort wo einst das Cornelianum stand, öffnet die Stadtbibliothek ihre Türen im Haus der Kulturinstitute. Ein Jahr später, im März 1964, weiht Oberbürgermeister Heinrich Völker die Fabrik der Procter & Gamble GmbH ein, die nördlich von Worms zwischen der B 9 und dem Rhein liegt.


09.08.1963 ∙ SWR Retro – Abendschau ∙ SWR: Israelische Frauendelegation
Auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft "Deutsche Frauenverbände" besuchte eine 24köpfige israelische Frauendelegation die Bundesrepublik. Zum Abschluß der 4wöchigen Reise besichtigten die Frauen den ältesten jüdischen Friedhof Europas in Worms und die Raschi-Synagoge.



Im November 1965 wird das Hallenbad in der Alzeyer Straße eingeweiht und der Hallenbadbauverein aufgelöst.


Im folgenden Jahr, 1966, ist eine Festwoche mit zahlreichen repräsentativen Veranstaltungen verbunden, die die Einweihungsfeierlichkeiten für den Neubau des Spiel- und Festhauses markieren. Die Eröffnungsrede hält Bundespräsident Heinrich Lübke


Individual - Dr. Friedrich M. Illert 1899 - 1966 Worms, Stadtgeschichte Worms
Im selben Jahr stirbt Dr. Friedrich Maria Illert, der Stadtarchivar und Direktor der Städtischen Kulturinstitute. Er war von 1937 bis 1966 Kustos der Stiftung Heylshof und hat sich um die Rettung der jüdischen Altertümer von 1938 bis 1942 verdient gemacht. Sein Verdienst bleibt der Wiederaufbau wertvoller Baudenkmäler nach dem Krieg.



25.11.1963 ∙ SWR Retro – Abendschau ∙ SWR: Trauer in amerikanischen Siedlungen nach Bekanntgabe der Ermordung von J.F. Kennedy
In Gottesdiensten und mit Salutschüssen nahmen Angehörige der US-Streitkräfte und deren Familien, u.a. in Worms und Kaiserslautern, nehmen Abschied von ihrem ermordeten Staatsoberhaupt, John F. Kennedy.



18.10.1966:  Der Nibelungenwandteppich in Worms, der 1966 zur Eröffnung des Spiel- und Festhauses entstand, ist ein 90 Quadratmeter großes Kunstwerk, das Schlüsselszenen des Nibelungenlieds zeigt und die Unvermeidbarkeit des Schicksals durch die Darstellung der drei Nornen symbolisiert. Entworfen von Professor Hermann Kaspar und ausgeführt von Edith Müller-Ortloff, unterstreicht der Teppich die tiefe Verbindung der Stadt Worms zur Nibelungensage. Mit Anschaffungskosten von 90.000 DM und einer späteren Reinigung von 60.000 Euro ist er ein bedeutendes Beispiel der Teppichkunst des 20. Jahrhunderts.


April 1967: Willy Brandt, SPD-Vizekanzler und Außenminister, Wahlrede, Marktplatz

Im Juli 1967 erwirbt die Stadt von der Heyl zu Hernnsheim’schen Nachlassverwaltung die in Schloss Herrnsheim liegenden Bestände des Dalberg-Archivs, das politisch, wirtschaftlich und sozialgeschichtlich wertvolles Material birgt, sowie die Bibliothek der Freiherrn Heyl zu Herrnsheim.

Am 4. Oktober 1967 besucht Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger Worms - Er hält eine Rede auf dem Marktplatz.



Im Jahr 1968 wird das Wormser-Stare-Denkmal am Ende der Rheinstraße enthüllt. Es wurde von der Wormser Narhalla dem “Rheinadel” von der Fischerweide und seinem Mundartdichter Rudolf Heilgers gewidmet und vom Wormser Bildhauer Gustav Nonnenmacher geschaffen.

Im März desselben Jahres kommt es im Rahmen eines dreitägigen Programms zwischen Worms und Auxerre in Frankreich zur Unterzeichnung einer Partnerschaftsurkunde. Auxerre ist die Hauptstadt von Niederburgund mit der Präfektur des Departement Yonne. Besondere Denkmäler sind der Dom und die Kirche St.-Eusebe und St. Germain. 

Die „Partnerschaftscharta“ von 1968 wurde am 2. Mai im Rathaus von Auxerre von den Städten Auxerre und Worms (Deutschland) unterzeichnet. Ziel der Vereinbarung war die Förderung von Frieden und Freundschaft zwischen den Völkern. Sie umfasst die gegenseitige Anerkennung und Festigung bestehender Beziehungen, den Aufbau einer geeinten Union zur Erhaltung der Partnerschaft, die Förderung des Austauschs in bürgerlichen, bildungsbezogenen, wirtschaftlichen und sozialen Bereichen sowie die Öffnung von Verwaltungsdokumenten als Zeugnis gemeinsamer Maßnahmen. Weiterhin beinhaltet sie die Pflege brüderlicher Beziehungen zwischen den Einwohnern, eine vertiefte Zusammenarbeit im Geist von Toleranz und Frieden, die Stärkung der Jugendkontakte und die Schaffung eines Klimas des Vertrauens und der Freundschaft. Die Unterzeichnung gilt als offizieller Partnerschaftseid, der von beiden Seiten anerkannt wurde.Jean Moreau, Bürgermeister von Auxerre, und Dr. Kuhfuss, Oberbürgermeister von Worms unterzeichneten den Partnerschaftsvertrag.

Iconographie von Auxerre. 



Im Jahr 1969 werden Abenheim, Heppenheim a.d. Wiese, Rheindürkheim und Ibersheim nach Worms eingemeindet, ebenso Pfeddersheim.


In der Nacht, als der Mond betreten wurde, lag Worms still wie selten zuvor.
Die alten Mauern am Rhein hatten schon Kaiser kommen und gehen sehen, Kriege und Reichstage, Hochwasser und Jahrmärkte. Doch an diesem Juliabend 1969 schien selbst die Zeit kurz den Atem anzuhalten. In den Stuben flackerte das Schwarz-Weiß der Fernseher, und aus den Lautsprechern kam eine Stimme, ehrfürchtig gedämpft:
„Meine Damen und Herren, wir sind jetzt live dabei, wie der erste Mensch den Mond betritt.“
Über dem Dom St. Peter hing der Mond hell und unbewegt. Derselbe Mond, der seit Jahrhunderten über Worms wachte, über Luther und den Reichstag, über Händler und Winzer. Und doch war er plötzlich kein fernes Symbol mehr. Er war ein Ziel.
In einer Wohnung nahe dem Marktplatz saß eine Familie dicht beisammen. Der Großvater lehnte sich vor, als könne er das Bild schärfer machen. Die Kinder hielten den Atem an, als die Kamera wackelte und die Leiter der Landefähre erschien. Aus dem Fernseher knisterte es, dann die nüchterne Stimme aus dem All:
„Okay, Neil, we can see you coming down the ladder now.“
In den Kneipen am Rhein verstummten Gespräche. Ein Glas wurde abgestellt, Karten blieben liegen. Jemand sagte leise: „Das erzählen wir unseren Enkeln.“
Dann kam der Moment. Ein Fuß berührte den Staub, unscharf, beinahe irreal. Die Worte folgten, leicht verzögert, aber unvergesslich:
„That’s one small step for man, one giant leap for mankind.“
In Worms sagte niemand etwas. Nicht sofort. Der Satz hing über der Stadt wie der Mond selbst. Klein und groß zugleich. Ein Schritt im Staub dort oben – und ein Sprung, der bis in die Wohnzimmer am Rhein reichte.
Der Kommentator fing sich wieder, hörbar bewegt:
„Sie müssen bedenken, meine Damen und Herren: Dieser Staub ist Milliarden Jahre alt. Und nun steht dort ein Mensch.“
Draußen spiegelte sich das Mondlicht in den Pfützen auf dem Kopfsteinpflaster. Der Rhein floss ruhig weiter, als hätte er schon immer gewusst, dass dieser Tag kommen würde. Doch in dieser Nacht war Worms weiter als je zuvor – der Blick reichte bis zum Mond – und zugleich kleiner, weil man spürte, Teil eines einzigen, großen Augenblicks der Menschheit zu sein.
Als die Fernseher später ausgeschaltet wurden, blieb der Mond noch lange über dem Dom stehen. Und die Stadt schlief ein mit den Worten im Ohr, die aus einer anderen Welt gekommen waren – und doch für immer zu ihr gehörten.






Am 22.10.1970 gestiert die große Zarah Leander im Wormser Theater


1971 kam das deutsche Staatsoberhaupt Dr. Gustav Heinemann nach Worms: Zum zweiten Mal nach einem Vortrag Heinemanns noch in seiner Zeit als Justizminister der Großen Koalition 1968 in der Pädagogischen Hochschule Worms machte der unter anderem in den Jahren des Kirchenkampfes profilierte Protestant Dr. Gustav Heinemann (1899–1976, 1969–1974 im Amt) Worms seine Aufwartung.

Zwar hatte das Protokoll für den Besuch Heinemann nur wenig Zeit eingeräumt, jedoch stellte damals die Wormser Zeitung fest, es sei „eine große Auszeichnung für die Stadt und ihre Bevölkerung, dass das Staatsoberhaupt kommt und auch das Wort ergreifen wird“. Der Präsident sprach zur Eröffnung der Ausstellung im Wormser Museum und weiteren Luther-Reichstags-Aktivitäten und trug sich im Anschluss in das Goldene Buch der Stadt ein.

18.04.71: In Worms nimmt erstmals in der Kirchengeschichte ein katholischer Bischof an einer Reformationsfeier zu Ehren Martin Luthers (1483-1546) teil.



Zwei Jahre später, 1971, erbitten Wormser Katholiken vom Vatikan im Wormser Memorandum ein “klärendes Wort zur Person und Lehre Martin Luthers aus heutiger katholischer Sicht im Interesse der Vertiefung ökumenischer Arbeit”.




Hans-Dietrich Genscher im DUKW beim ersten Bundeswettkampf 1971 in Worms
Der erste Bundeswettkampf fand 1971 in Worms statt. Dem Sieger winkte ein eigens gestifteter Pokal des Bundesministers des Innern.




Im April 1972 wird mit über 7000 Gramm Sprengstoff ein im Handelshafen liegender Fundamentrest des Neuturms unter der Leitung des Kreisbeauftragten des THW Rudolf Hoch gesprengt. Die Sprengung war wegen des niedrigen Wasserstandes notwendig geworden. Im selben Jahr wird die Bauaufnahme und städtebauliche Planung zur Wiederherstellung der Judengasse in Angriff genommen.

Der Tiergarten Worms ist ein Zoo im Naherholungsgebiet Bürgerweide in der Stadt Worms. Er wurde 1972 eröffnet und ist ca. 8,5 ha groß. Es werden 80 Arten mit über 500 Tieren gezeigt. Der Schwerpunkt des Tiergartens ist die Haltung und Zucht alter Haustierrassen, wie Glanrinder, Bunte Bentheimer Schweine, Thüringer Waldziegen und Süddeutsche Kaltblutpferde, die in einem begehbaren Schaubauernhof untergebracht sind. Aber auch exotische Vertreter sind im Tiergarten zu sehen.


Worms, Sommer 1972.
Im Sommer 1972 lag über Worms ein Gefühl vorsichtiger Aufbruchsstimmung. Die Olympischen Spiele in München waren allgegenwärtig, auch wenn die Stadt am Rhein weit entfernt von den Wettkampfstätten lag. In vielen Wohnzimmern flimmerten die Fernsehbilder aus dem Olympiastadion, und man verfolgte mit besonderem Interesse den Start des Wormser Hürdensprinters Eckart Berkes, der für die Bundesrepublik antrat. Selbst das Backfischfest wurde angepasst: Die Eröffnung begann später, damit möglichst viele die Olympische Eröffnungsfeier live miterleben konnten. Ein Festwagen mit olympischen Ringen rollte durch die Straßen – ein Zeichen dafür, dass Worms sich, wenn auch nur symbolisch, als Teil dieses weltweiten Ereignisses verstand.
Doch am 5. September 1972 änderte sich die Stimmung schlagartig. Die Nachrichten aus München berichteten von der Geiselnahme israelischer Sportler durch palästinensische Terroristen im Olympischen Dorf. In Worms standen die Menschen still vor den Fernsehgeräten und Radiogeräten, fassungslos über die Gewalt, die in die Spiele eingedrungen war, die eigentlich als „heitere Spiele“ gedacht waren. Als schließlich bekannt wurde, dass alle elf israelischen Geiseln sowie ein deutscher Polizist in Fürstenfeldbruck ums Leben gekommen waren, verstummte die olympische Begeisterung auch in Worms. Die fröhlichen Bilder der vergangenen Tage wichen Trauer, Nachdenklichkeit und einer neuen, ernüchternden Sicht auf die Welt.
Als die Olympischen Spiele nach einem Tag der Unterbrechung fortgesetzt wurden, nahm man dies in Worms mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis. Das Backfischfest ging weiter, der Alltag kehrte zurück – doch das Jahr 1972 blieb in der Erinnerung der Stadt untrennbar mit jenen Tagen verbunden, in denen sportliche Hoffnung, lokale Verbundenheit und ein weltpolitisches Trauma gleichzeitig spürbar wurden. Worms war kein Austragungsort der Olympischen Spiele, aber wie viele andere Städte wurde es Zeuge eines Moments, der den olympischen Gedanken dauerhaft veränderte.



 

Im Mai 1973 wird die neue Hauptfeuerwache in der Kyffhäuserstraße mit allen technischen Einrichtungen fertig gestellt und offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Oberbaurat Heyl übergibt Kreisbrandinspektor Exner die Schlüssel des Neubaus.



Im Jahr 1974 endet mit der Schließung der letzten Lederfabrik, Heyl-Liebenau in Neuhausen, die Ära der Lederindustrie in Worms, deren Entwicklung vor genau 140 Jahren begonnen hatte.


Im Mai desselben Jahres verkauft Ludwig C. Freiherr von Heyl das Eigentum an Park und Restgebäude des einstigen herrschaftlichen Majorshofes, der während des Krieges zerstört wurde. Den Verkauf knüpft er an Auflagen, um sicherzustellen, dass bei der Bebauung öffentliches Interesse gewahrt, eine Parzellenaufteilung verhindert und ein Großteil der “grünen Insel” inmitten der Stadt erhalten bleibt. Anfang Juni wird das 8690 m² große Gelände von der Kreis- und Stadtsparkasse erworben.




Das Atomkraftwerk Biblis und die Reaktionen in Worms zur Eröffnung
Als in den Jahren 1974 und 1976 die beiden Blöcke des Atomkraftwerks Biblis ans Netz gingen, rückte auch in Worms die Kernenergie in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die Nähe des Standorts – nur rund 20 Kilometer entfernt – machte das Projekt für die Stadt unmittelbar relevant.
Zu Beginn überwog in Worms eine eher positive bis pragmatische Haltung. Viele hofften auf wirtschaftliche Impulse für die Region, moderne Technik und eine stabile Energieversorgung. Lokalpolitiker und große Teile der Wirtschaft unterstützten das Projekt, und die Berichterstattung der damaligen Wormser Medien zeigte vor allem nüchterne bis optimistische Töne.
Gleichzeitig formierten sich erste kritische Stimmen. Umweltgruppen, junge politische Initiativen und einzelne Bürger warnten früh vor Sicherheitsrisiken im erdbebengefährdeten Oberrheingraben und vor möglichen Auswirkungen auf Rhein und Umwelt. Zwar blieben diese Einwände zur Eröffnung noch Minderheitenpositionen, doch gewannen sie zum Ende der 1970er Jahre zunehmend an Gewicht – verstärkt durch technische Störungen im Werk und den bundesweiten Aufschwung der Anti-Atomkraft-Bewegung.
In der Rückschau zeigt sich: Der Start des AKW Biblis wurde in Worms zunächst überwiegend sachlich und verhalten positiv aufgenommen, entwickelte sich aber schon wenige Jahre später zu einem der zentralen regionalen Konfliktthemen.




Im Juni 1975 stirbt der Altbürgermeister und Ehrenbürger der Stadt Worms, Heinrich Völker, im Alter von 71 Jahren. Er war maßgebend am Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Stadt beteiligt.





Die letzte planmäßige Fahrt einer Dampflokomotive in Worms fand im Jahr 1975 statt. Mit der fortschreitenden Elektrifizierung und der Umstellung auf Diesellokomotiven ging die Ära der Dampfloks in Worms, wie auch in vielen anderen Teilen Deutschlands, zu Ende. Insbesondere durch die Modernisierung der Bahnstrecken und den technologischen Wandel wurden Dampfloks nach und nach aus dem regulären Betrieb genommen.

Im Juni 1976 wird in Gegenwart von Sozialminister Dr. Geißler der Grundstein für das größte Krankenhaus (685 Betten, 10 Fachabteilungen) der allgemeinen Krankenversorgung, das seither in Rheinland-Pfalz gebaut wurde, auf dem Gelände in Worms-Herrnsheim gelegt.



Im September desselben Jahres wird der erste Bauabschnitt des BIZ (Bildungszentrums) an der Pfrimm mit der Berufsbildenden Schule I (Technik) und Berufsbildenen Schule II (hauswirtschaftliche und sozialpflegerische Schule) seiner Bestimmung übergeben.

 

Am 15.04.1978 gastiert das Schweizer Tourneetheater Basel im Städtischen Spiel- und Festhaus.
Aufgeführt wird das Stück: "Im Zweifel für den Angeklagten" Hauptdarsteller ist "Curd Jürgens"



Im Jahr 1978 verkauft Siegfried Freiherr von Heyl das Schloss Herrnsheim an die Stadt Worms. Im November desselben Jahres wohnt der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Dr. Peter Altmeier der Einweihung des neuen Rathauses am Marktplatz bei.

Herbert Wehner zu Gast in Worms.

Im Oktober 1979 fand im Mozartsaal in Worms eine Veranstaltung zum Thema „110 Jahre SPD in Worms“ statt, bei der Herbert Wehner, damals langjähriger SPD-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, offiziell zu Gast war.




Im Jahr 1980 besichtigt Bundespräsident Karl Carstens zum Auftakt seines offiziellen Antrittsbesuchs in Rheinland-Pfalz den Kaiserdom in Worms. 



Im folgenden Jahr, 1981, wird das Stadtkrankenhaus, das außerhalb des Stadtgebietes auf der Herrnsheimer Höhe liegt, in Dienst gestellt.




Im November 1982 wird das Raschi-Haus, ehemaliges jüdisches Tanzhaus, dann Altersheim, Domizil für das Stadtarchiv und das Jüdische Museum inmitten des seit den 1970er Jahren sanierten früheren Judenviertels.


Im April 1983 wird der von dem Wormser Bildhauer Gustav Nonnenmacher geschaffene Winzerbrunnen in der Kämmererstraße übergeben. Gestiftet wurde er von der Interessengemeinschaft Wonnegauer Winzerkeller.


Henry Kissinger besuchte Worms am 12. Juni 1983. Er war dort, um an einer deutsch-amerikanischen Tricentennial-Feier teilzunehmen. Während seines Besuchs wurde er von Protesten begleitet, die sich auf nukleare Abrüstung bezogen

Im Oktober desselben Jahres findet in Worms die zentrale Festveranstaltung der Evangelischen Kirche Deutschlands zum 500. Geburtstag von Martin Luther mit Festgottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche statt. Der Festakt im Städtischen Spiel- und Festhaus wird in Anwesenheit von Bundespräsident Carstens begangen. Es nehmen fernerBundestagspräsident Barzel, Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl und Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel teil.



Rod Temperton
Der britische Songwriter Rod Temperton lebte zeitweise in Worms (Deutschland) in den 1970er – frühen 80er Jahren und war dort musikalisch aktiv.
In Worms gründete er mit dem Musiker Bernd Springer die Soul-Coverband Sundown Carousel.
Später wurde Temperton eine Schlüsselfigur in der Musikindustrie: Er schrieb mehrere große Hits für Michael Jackson, darunter „Thriller”, „Rock With You” und „Off the Wall”.



Im Mai 1984 wird nur zwölf Monate nach dem Richtfest das neue Sparkassengebäude auf dem Gelände des ehemaligen Majorshofes in Anwesenheit von Staatsminister Rudi Geil eingeweiht. 



Im Mai desselben Jahres verleiht Senator Louis Jung der Stadt Worms die Ehrenfahne des Europarates.


Die Oberbürgermeister Dr. Lauro Grossi von Parma/Italien und Wilhelm Neuß unterzeichnen die Partnerschaftsurkunde. Neben der Delegation aus Parma wohnen Vertreter der Partnerstädte St. Albans und Auxerre dem Akt bei.

Im Dezember 1985 hat die genau vor vier Jahren begonnene “Eis-Zeit” ein Ende. Die Eissporthalle in der Alzeyerstraße wird von der Betriebsgesellschaft wegen Unrentabilität end.

Im Jahr 1986 schließt die Stadt Worms eine Städtepartnerschaft mit Tiberias in Israel. Tiberias, eine Stadt, die im Jahr 17 nach Christus von Herodes Antipas, einem Sohn Herodes des Großen, gegründet wurde. Er machte Tiberias zu seiner Hauptstadt und benannte sie nach dem römischen Kaiser Tiberius. Die Stadt ist seit 2000 Jahren für ihre warmen Heilquellen bekannt.


Richard von Weizsäcker, der damalige Bundespräsident, besuchte Worms am 6. April 1987 gemeinsam mit dem israelischen Staatspräsidenten Chaim Herzog. Dieser Besuch war besonders bedeutsam, da er ein starkes Zeichen der Versöhnung und der deutsch-israelischen Beziehungen setzte. Während des Besuchs legten beide Staatsoberhäupter einen Kranz am jüdischen Friedhof „Heiliger Sand“ nieder und besuchten den Wormser Dom, um der jüdischen Geschichte und dem Holocaust zu gedenken.


Zwei Jahre später, im Juni 1988, wird das erste Wormser Stare-Fest ins Leben gerufen. Die Stadtverwaltung, der Verkehrsverein und die Werbegemeinschaft organisieren gemeinsam dieses Fest in der Fußgängerzone, auf Straßen und Plätzen der Innenstadt. Das Fest, das nun Jahr für Jahr stattfindet, erfreut sowohl die Wormser Bürger als auch ihre Gäste mit seinen kulturellen, musikalischen und kulinarischen Angeboten.

 


Im Juli desselben Jahres wird der Tribünen-Neubau im Wormatia-Stadion fertiggestellt und mit seinen 944 Sitz- und 630 Stehplätzen seiner Bestimmung übergeben.


Ein Jahr später, im Oktober 1989, werden im Rahmen der Sanierungsarbeiten am Brückenturm die beiden nach Plänen von 1989 rekonstruierten “Helme” auf die Treppenhaustürme aufgesetzt. Die Vorgänger waren durch Bomben zerstört worden.

Im Juni 1990 übergibt die Bürgerinitiative zur “Verhinderung einer zentralen Mülldeponie im Stadtgebiet Worms” eine Protestliste mit 17520 Namen an Regierungspräsident Dr. Paul Schädler in Neustadt. Im selben Monat besiegeln die Stadtoberhäupter von Bautzen, Christian Schramm, und Worms, Gernot Fischer, die Partnerschaft zwischen den beiden Städten mit ihren Unterschriften.


1990 TST: 
Was 1990 mit einem einzigen LKW und der Vision von Frank Schmidt begann, hat sich zu einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte entwickelt: In Worms legte er den Grundstein für ein Logistikunternehmen, das heute weltweit agiert. Mit Leidenschaft, Mut und Innovationsgeist wuchs TST Logistics zu einer internationalen Gruppe mit über 3.000 Mitarbeitenden an mehr als 75 Standorten. Die Auszeichnung des Gründers mit dem DVZ Leo Award 2023 krönt eine Entwicklung, die zeigt, was aus einem Traum werden kann, wenn man konsequent an ihn glaubt.


Eintrittskarte signiert und bemalt von der total bekifften Marla Glen - Sie war Ehrengast und fuhr mit einer Stretchlimo vor. Eintrittskarte signiert und bemalt von der total bekifften Marla Glen - Sie war Ehrengast und fuhr mit einer Stretchlimo vor.
Rock im Industriegebiet
Es war einer dieser Sommerabende, an denen die Luft warm auf der Haut liegt und man spürt, dass etwas Besonderes passieren wird. Als die ersten Besucher auf das TST-Gelände in Worms strömten, ahnte niemand, wie intensiv dieser Abend noch werden sollte. Doch als die Menge dichter wurde, die Gespräche lauter und die Bühne im warmen Licht aufglühte, war klar: TOTO sind da – und Worms ist bereit.
Schon die ersten Takte von „Caught in the Balance“ ließen ein elektrisierendes Raunen durch die Reihen gehen. Und mit „Rosanna“ war der Bann endgültig gebrochen. Tausende Hände schossen in die Luft, Stimmen sangen mit, und die Band, längst Legenden ihres Fachs, spielte mit einer Wucht, die man fast greifen konnte. Nichts wirkte routiniert, nichts abgespult – TOTO waren hungrig, leidenschaftlich und präsenter denn je.
Steve Lukather fegte über seine Gitarre, als würde er das Instrument herausfordern wollen, während Simon Phillips am Schlagzeug ein Solo hinlegte, das man eher einem mythischen Wesen als einem Menschen zutraut. Es war kein sterile Perfektion – es war rohe Energie, Schweiß, Herzblut. Ein Feuer, das übersprang.
In der Mitte des Abends wurde es stiller, intimer. Ein Akustik-Set, zart wie eine Erinnerung: „99“, „Mama“, später „I’ll be over you“. Die Menge wiegte sich, der Himmel über Worms färbte sich dunkelblau, und es gab diesen Moment, den nur großartige Konzerte erschaffen: wenn Tausende Menschen zu einer einzigen Stimme werden.
Doch dann – ein kollektives Kribbeln. Alle warteten auf diesen Song. Und als sich die Trommeln von „Africa“ aufbauten, brach das Publikum in Jubelstürme aus. Fremde fielen sich in die Arme, sangen jede Silbe, als wäre sie ein Zauberwort. „Africa“ war der emotionale Höhepunkt, die Welle, die alle mitriss.
Und doch gab es noch ein letztes Geheimnis. Beim Vorstellen der Musiker holte Steve seinen Sohn Trevor auf die Bühne – ein schüchterner Junge, der kaum größer war als seine Gitarre. Als er die ersten Akkorde spielte, brach ein sanftes, warmes Lächeln über das ganze Gelände. Es war einer dieser magischen Augenblicke, die man nie vergisst.
Natürlich wurde es dann laut, sehr laut: „Hold the Line“ – der letzte Song, die zweite Zugabe, der Moment, auf den zwei junge Frauen vor der Bühne den ganzen Abend gewartet hatten. Sie kreischten, tanzten, sprangen, lebten. Und mit ihnen 3000 Menschen, die in diesem Augenblick alles um sich herum vergaßen.
Als die Lichter schließlich verblassten und TOTO sich bedankten, lagen Erschöpfung und Begeisterung über dem Gelände wie ein goldener Schleier. Menschen gingen langsam Richtung Ausgang, redeten leise, fast ehrfürchtig. Man wusste: Dieser Abend hatte etwas verändert. Für die Besucher. Für die Veranstalter. Vielleicht sogar für Worms selbst.
Denn an diesem warmen Sommerabend hat eine Band aus Kalifornien eine kleine Stadt am Rhein in ein Meer aus Musik, Emotion und Euphorie verwandelt – und niemand, der dabei war, wird das jemals vergessen.




Copyright/Bildautor: Rudolf Uhrig

Im Juli 1991 wird das erste Wormser Jazzfestival unter dem Motto „Rheinland-Pfalz swingt“ auf fünf Veranstaltungsplätzen in der Innenstadt veranstaltet.


Im Jahr 1992 nahm Richard von Weizsäcker an der Einweihung der Lebenshilfe-Werkstatt und des integrativen Tom-Mutters-Kindergartens in Worms teil. Diese Einrichtungen unterstützen Menschen mit Behinderungen und bieten integrative Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten. Weizsäcker, bekannt für sein Engagement für soziale und inklusive Projekte, würdigte die Arbeit dieser Institutionen und unterstrich die Bedeutung von Integration und Unterstützung für Menschen mit besonderen Bedürfnissen.


1992 eröffnet der damalige Ministerpräsident Rudolf Scharping das Backfischfest.



Im wiedervereinigten Deutschland wurden zum 1. Juli 1993 die fünfstelligen Postleitzahlen eingeführt. Mit dem Werbeslogan "Fünf ist Trümpf" warb das Bundespost-Maskottchen Rolf, die gelbe Hand mit fünf Fingern, für die neuen Postleitzahlen. Die Einführung erregte damals die Gemüter - und ist heute fast vergessen.


Im September 1993 drücken 2000 Personen ihre Betroffenheit über die Schändung von 118 Grabsteinen auf dem Alten Jüdischen Friedhof aus, indem sie eine Menschenkette bilden, die sich von der Synagoge bis zum “Heiligen Sand” spannt.


Im Jahr 1994 wird im Lutherring/Ecke Andreasstraße das Lederarbeiterdenkmal aufgestellt. Es ist eine Nachbildung der Lederarbeiterfigur, die der Bildhauer Carl Stock 1924 für die Lederwerke Doerr & Reinhart geschaffen hat. Dargestellt ist der Arbeiter Karl Stein, genannt ”Steine Mott”, in der Wasserwerkstatt. Das Denkmal erinnert an die Menschen, die durch ihre Arbeit in den Lederfabriken im 19. und 20. Jahrhundert die Stadt Worms zu einer wirtschaftlichen Blütezeit brachten.


Bundespräsident Roman Herzog hielt anlässlich der Veranstaltung "500 Jahre Wormser Reichstag" im Städtischen Spiel- und Festhaus in Worms am 20. August 1995 folgende Rede.


Im August 1995 brennt der städtische Kindergarten in der Heinrich-von-Gagern-Straße um 4.30 Uhr. Die Flammen sind kaum erstickt, als der Einsatzleiter gegen 6 Uhr seine Männer aufruft: “Einsatz sofort abbrechen, ein zweiter Kindergarten brennt.” Auch in der Würdtweinstraße ist ein Brandanschlag auf einen Kindergarten verübt worden.


Im April 1996 wird während des Festaktes zum Lutherjahr erstmals der Preis “Das unerschrockene Wort”, initiiert von den Lutherstädten Deutschlands, verliehen. Der Preis geht an den Berliner Philosophie-Professor und Theologen Richard Schröder, der sich in DDR-Zeiten mutig und kritisch geäußert hat.


Im Juli desselben Jahres wird das Hauptquartier des 5. Fernmeldekommmandos (5th Signal Command) der Amerikaner nach Mannheim verlegt. Mit einem militärischen Zeremoniell verabschieden sich die Amerikaner mit Brigadegeneral Robert L. Nabors aus der Nibelungenstadt. Die Familien der amerikanischen Militär- und Zivilangehörigen bleiben im Thomas-Jefferson-Village in Worms wohnen.



Im April 1997 wird erstmals in der Geschichte der Stadt Worms der Oberbürgermeister der Stadt direkt von der Bürgerschaft gewählt. Die Wahl fällt mit 55,66 % auf den Amtsinhaber Gernot Fischer.

50 Jahre Bundesanstalt für Arbeit 50 Jahre Bundesanstalt für Arbeit, Bund, Michel Nr. 2249

Im Dezember desselben Jahres erreicht die Arbeitslosenquote mit 11,9 % einen Höchststand. Es ist keine Besserung auf dem Arbeitsmarkt in Sicht.


Im Februar 1998 besucht der Generalsekretär der Knesseth Jerusalem, Arieh Hahn, in Begleitung von Ignatz Bubis, dem Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Worms.



Im selben Jahr wird das von dem Kulturfonds der Wormser Wirtschaft gestiftete Denkmal für den Dichter Johann Nikolaus Götz, geschaffen von dem Magdeburger Künstler Heinrich Apel, im Heylshofgarten aufgestellt.

Konzert der Guano Apes am 2. Mai 1998 Konzert in der heutigen Nikolaus-Dörr-Halle, Worms
Tour: Proud Like a God Tour
Debütalbum Proud Like a God
Songs wie „Open Your Eyes“ und „Lords of the Boards“ waren Highlights
Ausverkauftes Haus – 1400 Zuschauer
Dieses Konzert war Anstoß zu Gesprächen für eine zukünftige Stadthalle => Das Wormser


Im Juni desselben Jahres wird die Städtepartnerschaft zwischen Worms und der Stadt Mobile im Staate Alabama (USA), geschlossen. Die Hafenstadt liegt am Golf von Mexiko. Sie ist heute eine blühende Industriestadt.


Im Juni 1999 teilt das US Hauptquartier in Heidelberg mit, dass die amerikanische Wohnsiedlung “Thomas-Jefferson-Village” zum 1. August geräumt sein wird. 339 Wohnungen werden wie zuvor die Kasernen an den Bund zurück gegeben. Mit dem Umzug der 174 Familien werden auch andere amerikanische Einrichtungen, zum Beispiel Jugendzentrum und Schulen, nicht mehr benötigt.




Im November desselben Jahres, nachdem der am 14. September durch eine Bürgerinitiative herbeigeführte Bürgerentscheid gegen das Nibelungenmuseum nicht die erforderliche Mehrheit erreicht hat, wird der erste Spatenstich für das Nibelungenmuseum an der Stadtmauer durchgeführt.



Die Nibelungenfestspiele haben eine bewegte Geschichte, die bis ins Jahr 1937 zurückreicht, als sie während des Dritten Reichs ins Leben gerufen wurden. In den ersten Jahren bis 1939 stand ausschließlich Friedrich Hebbels dreiteiliges Drama „Die Nibelungen“ von 1861 auf dem Programm. Ein Versuch, die Festspiele 1956 wiederaufzunehmen, blieb jedoch ohne nachhaltigen Erfolg.

 
 
 
 
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